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"Redewendungen"
sind feste Wortverbindungen. Ihre
Bestandteile können nur schlecht oder gar nicht ausgetauscht
werden. Beispiel: "Fettnäpfchen" und "hineintreten".
"Sprichwörtliche Redensarten" nennt man bildhafte Ausdrücke,
wenn sie ständig im selben Wortlaut wiederholt werden und ihre
Bedeutung allgemein bekannt ist.
"Sprichwörter" sind ganze Sätze, die meist eine
Lebenserfahrung ausdrücken. Also "Was der Bauer nicht kennt,
frisst er nicht."
Die Eintragungen, die auf "Willis Besserwisserseite" zurückgehen, sind mit einem [W] gekennzeichnet.
(Die Erläuterungen zu Redewendungen
mit einem * gehen auf Anregungen von Dieter Burkert
aus den "Sprachnachrichten" 02 und 03/2006 zurück.)
A - B
- C- D - E
- F - G - H - I - J - K - L - M - N
- O - P - Q - R - S - T - U - V - W
- X - Y
- Z
Das A und O einer Sache
Das ist das A und O dieses Projekts = das ist das
Wesentliche. Das A und O bedeutet auch Anfang und Ende; der
Ausdruck geht auf das griechische Alphabet zurück, indem das A
(Alpha) der erste und das Omega (ein langes O) der letzte Buchstabe
ist. In der Bibel (Offenbarung 1,8) heißt es: "Ich bin das A und
O, spricht Gott der Herr" - also der Anfang und das Ende, alles.
Wer A sagt, muss auch B sagen*
Wer sein Wort gegeben hat, muss auch dazu stehen; wer eine Sache
angefangen hat, muss sie auch zu Ende bringen. - Der Ausdruck hat
eigentlich nichts mit dem Alphabet zu tun, sondern geht auf das alte
deutsche Rechtswesen zurück: Bei einer Gegenklage musste auch der
ursprüngliche Ankläger nun Rede und Antwort stehen. Wenn er
dies tat, so nannte man das "besagen". Dieser Ausdruck wurde vom
Volksmund in "B sagen" umgedeutet.
Jemand abblitzen lassen*
Jemanden deutlich
abweisen, zurückweisen; ursprünglich nur auf einen
abgelehnten Heiratsantrag bezogen: "Sie hat ihn abblitzen lassen." Bis
zum 19. Jahrhundert konnte es vorkommen, dass beim Schießen das
Schießpulver blitzartig von der Pfanne abbrannte, ohne dass der
Schuss gefallen wäre. Diesen - unerwünschten - Vorgang
bezeichnete man als "abblitzen"
Jemand eine Abfuhr
erteilen
Bei einer "Mensur",
dem rituellen Zweikampf zwischen Mitgliedern schlagender
Studentenverbindungen, konnte es vorkommen, dass einer der beiden "Paukanten" durch die Säbel- oder Degenhiebe
so böse Verletzungen erlitt, dass er von seinen Sekundanten
"abgeführt" werden musste. Besonders peinlich war die
"unehrenhafte" Abfuhr, wenn der Paukant also wenig Mut gezeigt hatte.
Wer dem anderen eine Abfuhr erteilte, hatte ihn also schwer geschlagen.
abgebrüht sein
Unempfindlich sein, vor allem auch gegenüber
moralischen Argumenten. Der Ausdruck soll vom mhd. "briuten" =
entjungfern abgeleitet sein.
ein abgefeimter Schurke
Ein raffinierter Mensch, der alle Tricks kennt und keine
moralischen Bedenken hat. Das Wort ist abgeleitet aus Feim, mhd. veim (vgl. englisch foam) = Schaum. Ursprünglich
positive Bedeutung: abgeschäumt, rein von Schaum und Schmutz,
echt. Das, was nach diesem Vorgang weggeworfen wurde, war der Abschaum,
also völlig minderwertiges Zeug. Aus diesem Wortverständnis
entwickelte sich der negative Begriff abgefeimt:
Ein abgefeimter Ritter war ein echter Ritter, ein abgefeimter Schurke
eben ein echter, d.h. besonders schlimmer und moralisch minderwertiger
Schurke..
ein abgekartetes Spiel
Ein Spiel, dessen Ausgang manipuliert wurde und deshalb von
vorneherein feststeht; von lat. charta
"Vertrag, Urkunde,
Brief" (vgl. Magna Charta, Charta der Vereinten Nationen usw.);
ursprünglich einfach eine genau
abgesprochene, mündlich vereinbarte Sache. In Bezug auf ein Spiel,
dessen Ausgang offen sein sollte, ist eine vorherige Absprache jedoch
Betrug.
Jemand
etwas abknöpfen
Ihn um Geld oder andere Wertgegenstände erleichtern. Reiche Herren
trugen früher häufig goldene oder silberne Knöpfe,
manchmal auch Münzen oder Medaillen, an ihren Röcken. In
Geberlaune schenkten sie gelegentlich solche Knöpfe dem
Untergebenen, der seinem Herrn auf diese Weise wörtlich etwas
abköpfte.
Jemand eine Abreibung
verpassen
Die "abreybung" ist ein Begriff aus der Tierpflege. Allerdings werden
hier die Tiere natürlich nicht verprügelt, sondern
gesäubert. Durch Striegeln und Reiben wird das Fell gesäubert.
Der Begriff ist schon seit dem 17. Jahrhundert belegt. Seine heutige
Bedeutung, im Sinne von "Bestrafen", hat er wohl erst seit der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Abschaum -->
abgefeimt
Durch Abwesenheit glänzen*
Ironische Kritik
an jemand, der eigentlich da sein sollte, aber nicht gekommen ist; wird
vor allem dann verwendet, wenn das öfter vorkommt. "XY
glänzte wieder einmal durch Abwesenheit."
Der Ausdruck kommt aus
dem alten Rom, wo bei Beerdigungen Familienangehörige Bilder der
Vorfahren des Verstorbenen vor dem Trauerzug trugen. Diese Ahnen
"glänzten durch ihre Abwesenheit", formulierte der
französische Dramatiker Chénier (1762-1794) in seiner
Tragödie «Tibère». Chéniers
Popularität als Lyriker im 19. Jahrhundert führte zur
Verbreitung dieser ironischen Formulierung.
Mit
Ach und
Krach*
Mit großer
Mühe, gerade noch eben. - Der Ausdruck ist ein Beispiel für
reimgebundene "Zwillingsformen im Deutschen (vgl. z.B. mit Sang und
Klang, auf Schritt und Tritt, in Saus und Braus leben, mit Sack und
Pack). Beliebt sind auch alliterierende Zwillingsformen, also solche,
bei denen die Sinn tragenen Wörter mit dem gleichen Buchstaben
beginnen (mit Stumpf und Stiel ausrotten, mit Mann und Maus, mit Kind
und Kegel, mit Schimpf und Schande davon jagen, bei Wind und Wetter)
Adamsapfel
Eigentlich ein seltsamer Ausdruck. Er beruht darauf, dass
jede Ausstülpung des menschliche Körpers im
Hebräischen tappûach
(=Apfel) heißt und das Adam (=Mensch) zum Namen des ersten Mannes
geworden ist. Der vor stehende Schildknorpel am Kehlkopf des
erwachsenen Mannes heißt deshalb tappûach ha
âdâm - und dieser Ausdruck ist vom Volksglauben umgedeutet
worden: Der Knorpel soll also ein Stück des verbotenen Apfels aus
dem Paradies sein. Vom 15. Jahrhundert an hat sich der Begriff
über Europa verbreitet: Adamsappel (niederl.), Adam's apple
(engl.), pomme d'Adam (franz.)...
Amerika,
du hast es besser
Die Formulierung stammt aus Goethes Gedicht "Den Vereinigten Staaten".
Allerdings meinte Goethe damit die Geschichtslosigkeit der damals
jungen USA, die ein leichteres Leben ermöglichte.
anhängen*
Etwas Schlechtes über jemand sagen. Der
Ausdruck geht zurück auf den Brauch, einem Häftling einen
Zettel anzuhängen, auf dem seine Straftat zu lesen war, oder einen für seine Tat
bezeichnenden Gegenstand: einem Dieb den gestohlenen Gegenstand,
Trinkern eine
Flasche, bösartigen Weibern einen Besen und Ehebrecherinnen oder
Prostituierten obszön geformte Steine. Noch
in
der Nazizeit waren solche Zettel zu sehen, wenn etwa eine Frau Verkehr
mit einem jüdischen Mann hatte und dann an den Pranger gestellt
wurde mit einem umgehängten Schild: "Ich bin am Ort das
größte Schwein und lass mich nur mit Juden ein."
Jemand unter die Arme greifen:
Jemand in einer Notlage helfen.
Wenn ein Ritter bei einem Turnier gestürzt ist, packt ihn sein
Knappe unter den Armen und hilft ihm wieder auf die Beine.
Etwas aus dem Ärmel schütteln
Eine Aufgabe mit
großer Leichtigkeit, ohne Mühe erledigen. Die
Bettelmönche des 13. Jahrhunderts trugen Kutten mit weiten
Ärmeln, in denen sie die für die Armen gespendeten Gaben
aufbewahrten. Zurück im Kloster schütteten sie dann das
erbettelte Gut "aus dem Ärmel".
Arsch auf
Grundeis
In der Redensart bezieht man sich auf das Losbrechen des
Grundeises nach der Frostperiode. Dieses Losbrechen geschieht
unter erheblichem Lärm und wird mit den Magengeräuschen
verglichen die beim Durchfall als Begleiter von Angst und
Feigheit auftreten.
Die Redensart ist seit Mitte des 18. Jhds belegt, aber sicher
älter.
Die Arschkarte ziehen
Wenn man mit der
unangenehmsten von allen Aufgaben betraut wird, hat man die Arschkarte
gezogen. Nach Wikipedia kommt der Ausdruck aus dem Fußball, und
zwar aus der Zeit, bevor
sich das Farbfernsehen
vollständig durchgesetzt hatte. Damit die Zuschauer zu Hause
erkennen konnten,
ob eine gelbe
Karte oder eine rote
Karte vergeben wurde, trug der Schiedsrichter die gelbe Karte in der
Brusttasche
und die rote Karte in der Gesäßtasche (Arschtasche).
(http://de.wikipedia.org/wiki/Arschkarte)
Nach einer anderen, aber
wenig überzeugenden Version liegt der Redensart ein
Kartenspiel mit dem schönen Namen "Arschloch"
zugrunde;
die erste
gezogene Karte ist die Arschkarte.
Sich
einen Ast lachen
Ein Ast ist etwas, was
aus einem Stamm herauswächst; in der neueren Volkssprache kann Ast für Buckel stehen. Sich einen Ast
lachen, heißt also, sich
bucklig lachen = so lange lachen, bis man bucklig wird.
Eulen nach Athen tragen ---> Eulen
aufgedonnert sein
Übertrieben elegant zurechtgemacht. Kommt angeblich von
niederdeutsch "dunner" (vgl. italienisch donna) = Dame. Aufgedonnert sein bedeutet danach
urprünglich also nur wie eine
Dame gekleidet sein. Ist dann wohl volksetymologisch auf die
heftige Wirkung eines Gewitters bezogen worden: Die Kleidung einer Frau
ist so übertrieben,d as sie wie ein Donnerschlag trifft.
Aufschneider
Das ist ja bekanntlich jemand, der unwahre Heldentaten zum Besten gibt .
Vollständig lautete die Redensart im 17. Jahrhundert: "Mit dem
großen Messer aufschneiden". Man gebrauchte diese Formel, wenn
einer allzu große Stücke auftischte. Zu der Redensart
existieren unzählige Geschichten, in denen mit
großen Messern hantiert wird.
Ein Auge zudrücken*
Nachsichtig sein,
über bestimmte Dinge hinwegsehen. Der Ausdruck stammt aus dem
Gerichtswesen: Durch bestimmte Zeichen konnte ein Richter aufgefordert
werden, das eine oder andere zu "übersehen".
Etwas ausbaden
Die Strafe für die Fehler oder
Versäumnisse anderer bekommen. Da im Mittealter, aber auch noch im
Deutschland des 19. und frühen 20. Jahrhunderts warmes Badewasser
nicht so leicht zu beschaffen war, mussten mehrere
Personen dasselbe Bad benutzen; der letzte
musste nicht nur im schon ziemlcih schnmutzigen wasser baden, sondern
dieses dann auch noch ausgießen und das Bad reinigen, also ausbaden.
ein Ausbund von
Tüchtigkeit sein:
besonders tüchtig sein; die Kaufleute nahmen
früher besonders gute Warenproben "aus den Bünden", also aus
der Packung, und banden sie als Schaustücke oben auf die Packung.
Die "ausbündige" Ware war also besonders gut.
ausmerzen:
aussondern und vernichten, tilgen. Die Deutung, dass damit
gemeint sei, die überzähligen, nicht lebensfähigen
Schafe
im Frühjahr (März) auszusondern, steht entgegen, dass dies
üblicherweise im Herbst geschah. Möglicherweise ist, wie aus
einer vogtländischen Rechnung hervorgeht, der Martinstag (11.11.)
gemeint:
'ausmerten';
Entstanden ist das Wort vermutlich aus dem lateinischen merx (=Ware) >>> merzen = Handel treiben. (Vgl.
engl. to mark out)
jemand ausstechen
In einem
Wettbewerb (auch z.B. bei der Bewerbung um eine Stelle) über einen
anderen triumphieren. SDer Ausdruck kommt aus dem Turnierwesen: Im
Turnier galt es, den Gegner mit der Lanze vom Pferd zu stechen
********************
Jemand einen Bären aufbinden:
Jemand eine
Lügengeschichte erzählen. Ursprünglich war ein "bar" (=
Last, Abgabe) ein eisernes
Fallgewicht an Schmiedehämmern und Rammen (vgl. Barren, franz. la
barre) ; e. Bären anbinden
kommt daher, dass Jagdgesellen dem Wirt einen
lebendigen Bären als Pfand für eine Zechschuld an die Theke
gebunden haben sollen.
Jemandem
einen Bärendienst erweisen
Der "Bärendienst" hat seinen Ursprung in der Fabel vom Einsiedler
und seinem gezähmten Bären. Um die Mücken zu verjagen,
die den schlafenden Einsiedler stören, wirft der junge Bär
mit einem Stein, der zwar die Mücken vertreibt, aber den
Einsiedler tötet. Eine
Variante besagt, der Bär habe beim Versuch, die Mücken zu
erschlagen, den Einsiedler mit einem Prankenhieb getötet.
aus
der Bahn werfen
den geplanten
Lebenslauf von jem. zerstören. Lange vor Erfindung der Eisenbahn
entstanden; der Ausdruck geht wie so viele auf das Turnierwesen
zurück: Wer im Turnier aus seiner vorgezeichneten Bahn geworfen
wurde, hatte verloren. (Der Ausdruck Bahn für Kampfplatz findet
sich noch in einigen älteren Stadionbezeichnungen - vor der
Kommerzialisierung. In der "Glückauf-Kampfbahn" spielte einmal der
FC Schalke 04; "Kampfbahn Rote Erde" hieß früher das
Dortmunder Stadion).
Etwas auf die lange
Bank schieben
Die Bearbeitung einer Angelegenheit immer wieder
hinauszögern. Mit
der Einführung des Römischen Rechts in Deutschland wurden
auch
schriftliche Akten eingeführt, die in langen, bankähnliche
Truhen aufbewahrt wurden. Der Ausdruck müsste also korrekt
heißen: In die lange Truhe legen.
bankrott
gehen
Zahlungsunfähig
werden. Der Ausdruck kommt wie die meisten Ausdrücke, die das
Finanzwesen betreffen, aus Italien, wo das Bankwesen erfunden
wurde. Wenn ein Geldwechsler
nicht mehr zahlungsfähig war, zerschlugen ihm die Gläubiger
die Bank, auf der er seine Geldsorten ausgelegt hatte: Sie war dann
zerbrochen - la banca è rotta.
va banque spielen
Ein hohes, unkalkulierbares Risiko eingehen. Il va contre la banque - ein
Spieler setzt beim Baccarat die gesamte Summe, über die der
Bankhalter verfügt und die außer diesem niemand kennt, gegen
die Bank ein.
Jem. einen Bärendienst erweisen
geht auf die Legende von
dem Einsiedler zurück, der zusammen mit einem gezähmten
Bären lebte. Als der Einsiedler schlief und Mücken um ihn
herumschwirrten, warf der Bär, um seinen Herrn vor den
Quälgeistern zu schützen, mit einem Stein nach den
Mücken. Zwar verjagte er damit die kleinen Blutsauger, aber er
tötete leider auch den schlafenden Einsiedler. Ein
"Bärendienst" ist heute also ein Dienst, der dem Empfänger
der Dienstleistung mehr Schaden als Nutzen bringt.
Jem. um den Bart gehen
Jem. schmeicheln. Der
Bart war nach altgermanischer Vorstellung der wichtigste Teil des
Männergesichts. Wer also den Bart eines Mannes bewunderte,
schmeichelte ihm besonders.
Um des Kaisers Bart streiten
Sich über eine
völlig unwichtige Sache streiten. Angeblich durch Volksetymologie
entstanden: Es war nicht des Kaisers Bart, sondern ein
Geißhaar-Bart, der Bart eines Ziegenbocks. Angeblich hat der
römische Dichter Horaz sich darüber lustig gemacht, dass
Menschen sich dasrüber stritten, ob man Ziegenhaar auch als Wolle
bezeichnen dürfe (de lana caprina rixari =
um Ziegenwolle streiten).
Der
weiß, wo der Barthel den
Most holt
Als einst in Leipzig durch gutgehende Geschäfte zur Messezeit der
Most ausging, wusste der Wirt Barthel Rat: Er fuhr zu seinem Bruder,
der im nahen Meißen ein Weingut besaß, und beschaffte
Nachschub. Jemand, der den Durchblick hat, weiß heute noch wo der
Barthel den Most holt.
Dazu gibt es allerdings noch eine authentischere Erklärung: Most
leitet sich vom hebräischen "maoth" = "Münze" ab (daher
stammt übrigens auch unser "Moos"); Barthel ist eine Ableitung vom
Gaunerwort "barsel" für Brecheisen. Wer weiß wo das
Brecheisen die Knete holt, ist wahrscheinlich nicht auf Weinverkauf
angewiesen.
In Bausch und Bogen
Total, absolut, völlig, ohne Einzelheiten zu beachten. Hier haben
wir eine so genannte "stabreimende Zwillingsformel" (so wie
"mit Mann und Maus").
Bei Grenzziehungen war "Bausch" die nach außen gehende, "Bogen"
die nach innen gehende Fläche. Was an der einen Stelle zu viel
war, wurde an anderer Stelle wieder abgezogen.
Von "Bausch" ist auch unser Wort "pauschal" abgeleitet: es ist
entstanden aus dem neulateinischen Kanzleiwort pauschalis (im Ganzen, ohne Einzelheiten
eigens zu erwähnen).
belämmert
betreten, eingeschüchert, peinlich
berührt. Norddeutsch belämmern
bedeutet so viel wie bequatschen, auf
jemand einreden, bis er/sie nachgibt. Niederländisch belemmeren (von lahm abgeleitet) bedeutet verhindern, hemmen; vgl.
gelähmt vor Entsetzen
in
die *Binsen gehen [W]
verloren, kaputt gehen: wahrscheinlich aus der Jägersprache: "In die Binsen gehen" hat damit zu
tun, dass die Binsen
am Wasser wachsen und wenn bei der Jagd die bejagte Wildente "in die
Binsen ging", war sie für Jäger und Hund nicht mehr zu
greifen, also verloren.
eine Binsenweisheit [W]
Eine selbstverständliche, allen bekannte Tatsache
Binsen besitzen im Gegensatz zu anderen Grasarten keine
Verdickungen
(Knoten) am Halm. Eine Binsenweisheit ist also eine glatte Sache ohne
Verwicklungen oder Verknotungen. Terenz und Plautus sprechen von "Knoten
an einer
Binse suchen" (wo es in Wirklichkeit ja keine gibt): nodum in scirpo quaerere.
Ob sie mit der Herkunft des
Sprichwortes zu tun hat oder nicht, es gibt da noch folgende nette
Legende:
Der
König Midas sollte einen musikalischen
Wettstreit zwischen Pan und Apoll schlichten. Da er den Sonnengott
nicht so recht leiden konnte, erklärte er Pan zuzm Sieger, obwohl
die Zuschauer
anderer Meinung waren. Aus Rache ließ Apoll die Ohren von Midas
auf die Größe von Eselsohren wachsen. Von nun an sah sich
der König gezwungen,
eine Mitra zu tragen, was damals im Nahen Osten die übliche
Kopfbedeckung war (die übrigens auch Vorbild für die "Fool's
Cap", die Eselsmütze in der Schule, war): Aber beim Haareschneiden
konnte er die Mütze ja schlecht aufbehalten, also ließ er
seinen Barbier unter Androhung der Todesstrafe schwören,
keinem Menschen etwass davonh zu erzählen. Der Barbier konnte es
jedoch nicht ertragten, dieses Geheimnis für sich zu behalten: EDr
musste es jemand erzählen, und so grub er sich in der
Nähe eines Gewässers ein Loch und erzählte es der Erde.
Die Erde, die sich
außerstande sah, das Erzählte zu komunizieren, ließ
immerhin an der Stelle, wo der Barbier das Loch gegraben hatte, Binsen
wachsen., und die erzählen nun jedem, der
vorbeikommt, wenn der Wind durch die Gräser pfeift,
die Geschichte der Ohren des Midas.
Da bleibt einem der
Bissen
im Halse stecken
sagt man, wenn man eine
erschreckende Nachricht bekommt. Der Ausdruck geht zuerück auf ein
mittelalterliches Gottesurteil:
der Beschuldigte musste ein
Stück trockenes Brot oder harten Käse hinunterschlucken
ohne etwas zu trinken. Gelang dies ohne Schwierigkeiten,
war er frei, blieb der Bissen aber im Halse stecken, war er verurteilt.
Beckmesserei
Beckmessern ist kleinliches Kritisieren und geht zurück auf
Richard Wagners Oper "Die Meistersinger von Nürnberg".
Sixtus Beckmesser ist eine Figur der Oper, die pedantisch alle
Regelverstöße beim Gesangswettbewerb notiert.
Der "Meistergesang" war eine musikalische Disziplin, bei der es vor
allem um das Einhalten strenger Vorgaben ging. Z.B musste zu alten
Melodien neuer Text erfunden werden. Der Text wurde ohne Rücksicht
auf die natürliche Betonung der Melodie "aufgepfropft".
Wer nur altbekannte Lieder vortrug, war "Singer"; wer alte "Töne"
mit neuem Text unterlegte, war "Dichter"; wer gar eine neue Melodie
erfand, war "Meister".
Ausgeübt wurde diese Kunst fast ausschließlich von
Handwerkern. Der berühmte Meistersinger Hans Sachs war z.B.
Schuhmacher. ("Hans Sachs war ein Schuh-/ macher und Poet dazu...")
Den
Teufel mit dem Beelzebub austreiben.
Ein Übel durch ein noch schlimmeres zu verhindern suchen.
"Beelzebub"
stammt aus dem Hebräischen und ist ein Name des Herrschers der
Dämonen. "Baal sïbub" = "Herr der Fliegen". (Der Herr der
Fliegen in W. Goldings gleichnamigem Roman ist ein auf einen Pfahl
gespießter Schweinekopf, der als Symbol des Animalisch-Bösen
im Menschen steht.)
Mit
etwas hinter dem Berge halten [W]
= seine Absicht verheimlichen, ist eine militärische Floskel.
Seit dem Dreißigjährigen Krieg kennt man die Taktik,
Geschütze
hinter natürlichen Deckungen, wie Hügeln aufzustellen, um sie
in einem günstigen Moment einzusetzen.
Einen Bernhard machen
Diese Redensart stammt aus der Fachsprache der Steinmetze. Wenn ein
Steinmetz durch falsches Messen, Missverstehen einer Zeichnung oder
ähnliches, einen Stein verhaut, macht er einen "Bernhard".
Für diesen Stein bekommt der Handwerker natürlich keine
Bezahlung, dafür aber den Spott seiner Kollegen.
Normalerweise muss der Steinmetz auch noch einen ausgeben, und zwar den
"Leichentrunk" für den Stein. Ein "Bernhard" wird nämlich
seit der Gotik in der Nähe der Hütte feierlich beigesetzt.
Wie ein Berserker
wüten
Im Altnordischen beizeichnete man jemanden voller ungezügelter
Angriffswut als Berserker. Eigentlich meinte man damit anfangs nur das
Bärenhemd, das der durchschnittliche skandinavische Krieger trug
("serkr" = "Hemd", "ber" = "Bär").
Die Recken wollten damit die Kraft des getöteten Tieres auf sich
übertragen. Gelungen ist es ihnen am ehesten mit dem Gestank...
"Berserker" wurden später die Männer genannt, die
durch die Fellklamotten so furchterregend aussahen (und rochen), dass
man von ihnen sagte, sie könnten kurzzeitig die Bärengestalt
annehmen. So ähnlich wie Werwölfe.
Allerdings ist auch eine etwas andere Herleitung möglich,
und zwar aus den Begriffen "ber" = "bar, bloß" und "serkr"=
"Hemd, Waffenrock", also jemand der "ohne Hemd", d. h. ohne
Rüstung, in den Kampf zieht.
Das Blatt hat sich gewendet
Es ist eine völlig neue Situation entstanden. Die Redensart, schon
1534 in der Vorrede von Sebastian FRANCKs "Weltbuch"
bezeugt, soll
auf das Kartenspiel zurückzuführen sein. Eine andere Deutung
besagt, dass zu Johannis (24.
Juni) die Blätter einiger Bäume, vor allem der Silberpappel,
sich drehen, um den
Regen besser durchzulassen.
Kein Blatt vor
den Mund nehmen
Etwas frei heraus sagen. Die Redewendung spiegelt eine alte
Theatersitte wider: Die
Schauspieler machten sich unkenntlich, indem sie Blätter vor ihr
Gesicht hielten. Sie konnten dann Anliegen vorbringen, ohne später
dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Variante: Im 16. Jhd. nahm man häufig ein
Laub-
oder Papierblatt vor den Mund, um eine peinliche Wahrheit nicht so laut
hören zu lassen
Blau machen
Wollten Färber Stoffe mit Indigo färben, mußten sie
eine Farbstofflösung mit
einem bestimmten pH-Wert anrühren. Dieser pH-Wert wurde durch
Anreichern der Färbelauge
mit Urin erreicht. Um die erforderlichen Mengen an Urin zu erhalten,
mussten
bzw. durften die Färber große Mengen Alkohol trinken. Mit
der Konsequenz, daß
an diesen Tagen sonst nicht mehr viel lief. Es wurde eben "blau
gemacht".
Variante: blauer Montag;
die sich an der Luft schnell indigoartig-blaufärbende Wolle
wurde den ganzen Sonntag über im Bad gelassen, um sie montags an
der Luft trocknen zu lassen; so konnten die Gesellen an diesem Tage
ausruhen.
Jemanden grün und
blau schlagen
--->
grün
Der
geht ran wie Blücher [W]
Die Redewendung, manchmal auch vollständig "Der geht ran wie
Blücher an der Katzbach" zitiert, bezieht sich auf den Sieg
Blüchers über die Franzosen an der Katzbach im Jahre 1813.
Der volkstümliche Blücher war einer der beliebtesten
Militärs, beim Volk war er als "Marschall Vorwärts" bekannt.
Blümchenkaffee
Ein Kaffee, der so dünn und wässrig ist, dass
man das Blümchenmotiv auf dem Grund der Kaffeetasse aus
Meißener Porzellan sehen konnte.
Böhmische
Dörfer
Unbekannte oder unverständliche Dinge werden schon seit dem 16.
Jahrhundert als "Böhmische Dörfer" bezeichnet. Die
Deutschen hatten leichte Sprachprobleme mit den Ortsnamen
im böhmischen Gebiet, da sie die tschechischen Namen
nicht verstehen, geschweige denn aussprechen konnten.
Richtig gebräuchlich
wurde die Redensart aber nach dem
Dreißigjährigen Krieg. Damals wurde Böhmen derart
verwüstet, dass kaum noch unzerstörte Dörfer übrig
blieben. Als "Böhmisches Dorf" galt daher auch etwas, das es
eigentlich nicht mehr gab.
Bratkartoffelverhältnis
Der Ausdruck stammt noch
aus dem ersten Weltkrieg und
bezeichnete damals eine kurzfristige Liebesbeziehung, die weniger vom
Sex bestimmt ist, sondern vor allem
wegen der besseren Verpflegungsverhältnisse eingegangen wird.
Heute wird er meist als Synonym zur "wilden Ehe" benutzt.
Die volle Breitseite
Jemand, der ungebremsten, schonungslosen Attacken ausgesetzt wird,
kriegt bekanntlich "die volle Breitseite" ab. Der Begriff stammt aus
dem vielseitigen Sprachschatz der Kriegsmarine, als die Kanonen eines
Schiffes noch unter Deck aufgestellt waren. Eine
"Breitseite" (Englisch: "broadside") bezeichnet das gleichzeitige
Abfeuern aller Geschütze auf der dem Gegner zugewandten Seite des
Schiffes.
Also schon eine eher deutliche Unmutsbezeugung.
In die Bresche
springen
Der Ausdruck stammt aus dem älteren Kriegswesen. Eine "Bresche"
ist eine Lücke in einer Festungsmauer. Ursprung des Wortes ist der
Gleiche wie von dem Wort "brechen". Wer in die "Bresche springt" hilft
anderen in einer brenzligen Situation, weil er, bildlich gesprochen.
eine gefährliche Lücke verteidigt.
Ein Brett vor
dem Kopf haben
Störrischen Ochsen wurde vom Bauern ein Brett vor den Kopf
gehängt, das ihre Sicht beeinträchtigt. Der Ochse war dann
leichter zu führen.
Eine andere Erklärung ist, dass das Joch, mit dem der Ochse
eingespannt wird, seine Denkfähigkeit beeinträchtigt. Der
starke Ochse zieht unter dem Joch bereitwillig ein Fuhrwerk.
Jemandem
aufs Dach
steigen [W]
Das Abdecken des Daches war im Mittelalter eine Maßnahme gegen
sogenannte "Friedlose" oder "Vogelfreie". Diese Verbrecher durfte kein
Dach mehr schützen, bis sie sich gestellt hatten. Man gab Leuten,
die einen Verbrecher beherbergten, eine gewisse Frist, dann stiegen
ihnen die Büttel aufs Dach und deckten es ab. Man ließ "den
Himmel ins Haus". Da den Verbrecher nun
kein Dach mehr schützte, konnte er im Haus verhaftet werden,
was normalerweise verboten war.
Auch bei
sittenwidrigem Verhalten in der Ehe, etwa wenn die Frau ihren Mann
schlug, wurde als gerichtliche Strafe das Dach abgedeckt.
Das
kannst du halten wie ein Dachdecker
Das kannst du machen, wie du
willst. Der Ausdruck kommt daher, dass zur Jahrhundertwende die
Dachdecker nicht
kontrollierbar
waren, da keiner der Bauherren den Mut hatte, aufs Dach zu klettern um
nachzusehen, ob alles in Ordnung war.
Variante: Das kannst du machen, wie der Pfarrer Nolte - (der tat immer, was er wollte.)
Dalli, Dalli!
Die Redensart hat das "flink, flink" aus dem deutschen Wortschatz
weitgehend verdrängt. Seinen Ursprung hat das seit dem Ende des
19. Jahrhunderts im deutschen Raum bekannte "dalli" im Polnischen
"dalej" = "vorwärts".
"Dalli , dalli" war zwischen 1971 und 1986 Jahren eine beliebte
Unterhaltungssendung im ZDF mit dem Moderator Hans Rosenthal,
dessen Ausruf: "Das war - Spitze!" sprichwörtlich wurde. Es
ging in dieser Show vor allem um Geschwindigkeit.
Ein Damoklesschwert schwebt
über dir
Damokles
war ein Höfling des Tyrannen von Syrakus. Immer wieder pries er
dessen
Glück, bis es seinem Chef zu dumm wurde. Er ließ den
Schwätzer auf
seinem Sitz Platz nehmen und ihm erlesene Speisen vorsetzen.
Gleichzeitig wurde aber über dem Jüngling ein Schwert an
einem Rosshaar
aufgehängt.
Damit war auch dem vorlauten Damokles klar, dass der Herrscher, trotz
allem Luxus, in permanenter Gefahr lebte.
Das war ein Danaergeschenk
Ein Geschenk, das Gefahren in sich birgt, wird oft nach Homer
"Danaergeschenk" genannt. Homer meinte damit wahrscheinlich alle
griechischen Kämpfer.
Das klassische Danaergeschenk war der bekannte hölzerne Gaul, der
eines morgens vor der Touristenhochburg Troja stand.
Der kritische Laokoon warnte damals mit dem Spruch "Danaos timeo et
dona ferentes" (Was es auch sei,
ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen.) Zum Dank
dafür wurde er mit seinen Söhnen von Schlangen erwürgt
und
später in Stein gemeißelt. Die atemberaubende Skulptur ist
heute im Vatikanischen Museum in Rom zu bewundern.
Ein echter Dauerbrenner
Ein permanenter Erfolg, vor allem im Showbereich, wird gerne als
"Dauerbrenner" bezeichnet. (Gelegentlich auch ein besonders intensiver
und langer Kuss...) Eigentlich war ein "Dauerbrenner" ein Ofen,
der mit lang brennendem Material (Briketts etc.) befeuert wurde. Mit
der modernen Zentralheizung verschwand der Ofen, nicht aber die
Redensart.
Einen Denkzettel
bekommen
Im hansischen Recht (15. Jahrhundert) kannte man schon den
"Gedenkzettel". Es handelte sich um eine schriftliche Mitteilung des
Gerichtes, vergleichbar unserer heutigen Vorladung. Später
benutzte man den Begriff allgemein für "schriftliche Mitteilung".
Auch in Jesuitenschulen
wurde später Schülern, die
irgendwelche schlechten Eigenschaften erkennen ließen, vom Lehrer
ein "Denkzettel" ausgehändigt, auf dem der Fehler verzeichnet
stand. Der Schüler musste den Zettel ständig bei sich tragen.
Da mit dem Denkzettel oft auch körperliche Bestrafungen
einhergingen, hat das
Wort heute eine eher negative Bedeutung.
Keinen
Deut wert sein [W]
Ein Deut, oder niederländisch Duit, ist eine Münze, die seit
dem 14.
Jahrhundert bis zum Ende des 18. Jahrhunderts geprägt wurde. Sie
war anfangs
aus Silber, dann ließ man nach und nach immer mehr Silber weg und
ersetzte es
durch ein billigeres Material. Ab 1573 bestand sie dann nur noch aus
Kupfer.
Eine Sache, die nicht einmal einen Deut wert ist, wird also
ähnlich
geringgeschätzt wie
diese unedle Münze.
Denk ich an Deutschland
in der Nacht, bin ich um
meinen Schlaf gebracht
Das Zitat stammt zwar von Heinrich Heine, aber nicht aus "Deutschland -
ein Wintermärchen" sondern aus seinem Gedicht
«Nachtgedanken»:
Denk ich an
Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht
Du hast einen Doppelgänger [W]
Heute bezeichnet man jemanden als "Doppelgänger", der einer anderen
Person so ähnlich sieht, dass man die beiden verwechseln kann.
Früher war es die Bezeichnung für jemanden, von dem man
glaubte, er könne an mehreren Orten gleichzeitig sein.
Drahtzieher [W]
Der "Drahtzieher" hat seinen Ursprung nicht etwa im ehrbaren Handwerk
des Drahtherstellers, sondern man meint damit einen Marionettenspieler.
Also jemand, der hinter der Bühne "an den Drähten zieht",
damit sich die Puppen nach seinem Willen im Rampenlicht bewegen.
Drakonische
Strafe [W]
Harte Strafen werden nach dem griechischen Gesetzgeber Drakon benannt.
Im 7. Jahrhundert vor Christus waren die von ihm verfassten Gesetze so
streng, ja sogar grausam, dass Plutarch schrieb, sie seien "mit Blut
und nicht mit Tinte geschrieben".
Dreck am Stecken
haben
s. Stecken
durchfallen
---> einen Korb bekommen
Ein
eingefleischter
Junggeselle
s. Junggeselle
Einen Stiefel vertragen können
s. Stiefel
Es
ist allerhöchste Eisenbahn
Die Redensart stammt aus einem Stück von Adolf Glasbrenner. Der
schwer zerstreute Briefträger Bornike will um die Hand
der Tochter des Malers Kleisch bitten. Am Ende der Szene bricht der
Briefträger ganz plötzlich auf, weil er die Post
aus Leipzig, die schon im Postamt auf ihn wartet, noch austragen
muss. Beim Weggehen sagt er: "Es ist die allerhöchste Eisenbahn,
die Zeit ist schon vor drei Stunden angekommen."
Das ist eine Ente (Zeitungsente)
Falschmeldung. Der Ausdruck kommt von einer englischen
Abkürzung. die für
nicht bestätigte Berichte anstelle eines Agenturvermerks benutzt
wurde. N.T.
bedeutet eigentlich "not testified" spricht sich aber im deutschen wie
EN-TE.
Eselsbrücke
Esel weigern sich normalerweise beharrlich, auch kleinste
Wasserläufe zu
durchwaten. Daher baute man oft kleine Brücken, um mit den
Lasttieren doch ans
Ziel zu kommen. Eine E. ist also ein kleines Hilfsmittel, das ans Ziel
führt.
Etwas nach Strich und Faden tun
s. Strich
Eulen
nach Athen tragen
Etwas (mit Aufwand) wohin bringen wo es das im Überfluss gibt.
(also ein
fruchtloses / sinnloses Unterfangen) Der Hintergrund ist, daß die
griechische Göttin
(Pallas) Athene Schutzgöttin der nach ihr benannten Stadt Athens
war. Eines
ihrer Symbole war die Eule. Die Athener prägten ihr zu Ehren Eulen
auf dir Rückseite
ihrer Münzen. Daher die Folgerung, daß es in Athen wohl
genug
"Eulen" gibt.
Ein anderes Beispiel hierfür ist auch: Wasser in den Rhein
bringen. Im Französischen
gibt es eine nettere Umschreibung: Emporter des femmes à Paris.
Frauen nach
Paris tragen.
Das dauert ewig und drei Tage
Ewig und drei Tage warten - sehr lange Zeit warten. In der
mittelalterlichen Rechtsprechung war es üblich, für
Fristsetzungen
einen bestimmten Zeitraum zu definieren und bis zum endgültigen
Ablauf
der Frist dann noch einmal drei Tage dazu zu geben – drei Tage, in
denen sich vielleicht das Blatt noch wenden konnte, selbst wenn die
eigentliche Frist schon "ewig" lang gewesen war.
Nicht lange fackeln*
Sofort handeln, ohne zu
zögern.
Ursprung ist das spätmittelhochdeutsche Wort vackelen = wie eine Fackel
brennen. Beim Bild der brennenden Fackel assoziiert man ein unruhiges
Hin und Her. Wer nicht fackelt, kommt also unmittelbar zur Sache, ohne
lange zu überlegen.
Den Faden verlieren
Nicht weiter wissen.
Bezieht sich auf den Ariadne-Faden der
griechischen Sage,
das Garnknäuel, das Ariadne, die Tochter des Königs Minos von
Kreta,dem
geliebten Theseus gab, damit er aus dem Labyrinth wieder
herausfände. Er durfte
also nicht den Faden verlieren.
Eine Fahrkarte
schießen
Schützen bezeichnen so einen Treffer, der die Zielscheibe
außerhalb der Ringe trifft. Das sieht dann so aus, als hätte
ein Schaffner eine Fahrkarte abgeknipst, also entwertet. Trifft der
Schütze überhaupt nichts, erhält er die Meldung
"Fehlanzeige".
"Das schlägt dem
Fass die Krone ins Gesicht"
Diese Redensart ist eine Verballhornung, gebildet aus mehreren anderen:
Das schlägt dem Fass den Boden aus
das setzt dem Ganzen die Krone auf
das ist ein Schlag ins Gesicht
Gemeint ist einerseits, dass der Böttcher die Fassreifen zu stark
aufschlägt und so der Fassboden herausspringt.
Andererseits wurde früher Weinverkäufern, die schlechten Wein
angeboten hatten, die Böden ihrer Fässer zerschlagen, damit
sie ihre Ware wirklich niemandem mehr anbieten konnten.
Sich
mit fremden Federn schmücken*
Fremde Leistungen als seine
eigenen ausgeben
In einer Fabel nach dem griechischen Autor
Äsop erzählt
Lessing von der hässlichen Krähe, die sich mit Federn
schmückt, die dem Pfau ausgefallen sind, und so verkleidet sich
unter die Pfauen mischt. Die Pfauen erkennen die Betrügerin aber
natürlich sogleich und stürzen sich auf sie, um ihr die
falschen Federn zu entreißen. Dabei reißen sie gleichzeitig
auch einige echte Federn der Krähe aus. Fazit: Wer sich mit
fremden Federn schmückt, bekommt Ärger.
Ins Fettnäpfchen treten
Durch eine unbedachte
Äußerung oder Handlung
den Missmut eines anderen hervorrufen.
In erzgebirgischen Bauernhäusern stand zwischen Tür und Ofen
ein Fettnäpfchen, mit dessen Inhalt die nassen Stiefel der
Heimkehrenden sogleich geschmiert wurden. Wer durch Unachtsamkeit das
Fettnäpfchen umkippte und so Fettflecken auf der Diele
verursachte, zog sich den Unwillen der Hausfrau zu.
Die Hand ins Feuer legen ---> Hand
Die Feuerprobe bestehen*
Eine
entscheidende schwierige Aufgabe, oft die erste in einem neuen
Aufgabenbereich, lösen; oft als Beweis dafür, dass man
für diesen bestimmten Aufgabenbereich geeignet ist.
Ursprünglich
ganz wörtlich gemeint: Gold wurde schon in der Antike mit Hilfe
von Feuer auf seine Echtheit geprüft.
Etwas aus dem "ff" beherrschen
Die Redewendung hat ihren Ursprung wahrscheinlich im Mittelalter, als
Schreiber Zitate aus den Pandekten (einer Sammlung altrömischer
Rechtsgrundsätze als Grundlage für das Corpus Juris) mit dem
griechischen Buchstaben "Pi" kennzeichneten.
Schreibt man das kleine "Pi" (p) unsauber, indem man die vertikalen
Striche über den horizontalen Balken hinauszieht, erscheint der
Buchstabe wie ein "ff". Noch die Juristen des 16. Jahrhunderts
zitierten die Pandekten mit "ff".
Aus dem "Effeff" schöpfte der Jurist sein Wissen; es war Quelle
und Bürge gesicherten Wissens.
Sich etwas aus den Fingern saugen*
Etwas behaupten, was kaum der Wahrheit
entspricht oder zumindest weit hergeholt ist.
Wie viele Redensarten stammt auch diese aus dem Bereich
des Aberglaubens: Finger hatten angeblich die Gabe, jemandem etwas
mitzuteilen.
Keine
Fisimatenten
machen
Fisimatenten
(oft fälschlich auch als "Fisematenten" zu finden) sind Flausen, Ausflüchte,
umständliche Handlungen. Das Wort stammt
nicht etwa, wie so oft behauptet, aus der Zeit der Napoleonischen
Kriege,
als französische Soldaten in Deutschland junge Frauen
aufforderten, sie in ihrem
Zelt zu besuchen: "Visitez ma tente, mademoiselle."
Ursprung
ist wohl vielmehr das bereits im 16. Jahrhundert im Frühneuhochdeutschen
reichlich
belegte Wort
"visepatenten" (aus dem lateinischen "Visae patentes [literae]) in der
Bedeutung:
ordnungsgemäß verdientes - schriftlich ausgefertigtes
Patent. (Ein Patent ist in der ursprünglichen Bedeutung ein offen
vorzuzeigender Brief [patere = offen stehen] - einerseits als
Ernennungsbrief ("Hauptmannspatent"), andererseits als Bestätigung
für die Qualität einer Ware.)-
Das Fachwort
"visepatenten" wurde in Verspottung der Bürokratie zum Begriff
für
unnötige
Schwierigkeiten. Schon 1499 findet man "it is ein visimatent". Das "m"
ist wohl unter dem Einfluss des Wortes visament (=Schmuck, Zierat) an die
Stelle des "p" getreten.
Jemanden auf die Folter
spannen
Die germanische Rechtsordnung kannte so etwas wie die Folter nicht. Das
Wort und die Praxis der Folter kommen aus dem römischen Raum,
"poledrus" war die Folterbank.
Der Einsatz körperlicher Qualen zum Motivieren von
Aussageunwilligen wurde im Mittelalter auch bei uns immer beliebter.
Zuerst wurden dem Gefangenen die Instrumente gezeigt - und das waren
keine Geigen! Wenn er dann gestand, blieb er verschont. Ansonsten wurde
er nach genau festgelegten Regeln "auf die Folter(bank) gespannt".
Falschparken bedeutete Daumenschrauben, Schwarzfahrer wurden
ausgepeitscht.
Fraktur reden*
Jemandem
deutlich seine Meinung sagen, ihn zurechtweisen
Der Ausdruck
entspricht etwa der Wendung: mit jemandem deutsch reden = ihm
unverblümt die Meinung sagen. Die Frakturschrift ist die im 16.
Jahrhundert entstandene "gotische Schrift", in der z.B. die meisten
älterend eutschen Bücher gedruckt sind,weshalb vor allem
junge Menschen sie heute oft nicht mehr lesen können. Früher
aber lernte jeder diese Schrift, und wer sie benutzte, schrieb (und
redete) also deutlich und unmissverständlich.
Frosch im Hals
Wenn jemand heiser ist und kaum sprechen kann, ist meist der Hals
geschwollen: Die Mandeln sind rot, das Schlucken tut weh. Im Hals gibt
es eine kleine Geschwulst, die medizinisch "ranula" heißt.
"Ranula" ist lateinisch und bedeutet übersetzt soviel wie
"Fröschlein".
Wenn man heiser ist, ist manchmal auch die "Ranula" etwas dicker als
sonst und entzündet. Daraus entstand im Laufe der Zeit die
berühmte Redensart, einen Frosch im Hals zu haben, was medizinisch
gesehen ja auch richtig ist.
Unter der Fuchtel
sein
Jemand der in strenger, sogar erzwungener Ordnung leben muss, lebt
"unter der Fuchtel" von jemandem.
Die "Fuchtel" ist eigentlich ein stumpfer, breiter Fechtdegen
(daher kommt auch "herumfuchteln"), der zum Sinnbild harter
militärischer Zucht wurde.
Mit Fug und Recht
"Recht" kennt jeder, aber was ist "Fug"?
Das mittelhochdeutsche Wort "vuoc" bedeutete "etwas, das erlaubt ist".
Wir kennen es heute noch in "Befugnis, unbefugt". Etwas, das nicht
erlaubt ist,
ist "Unfug".
Auf großem
Fuß leben*
großen
Aufwand betreiben, ein sehr anspruchsvolles Leben führen
Die Redewendung
geht auf eine mittelalterliche Sitte zurück: Manche Adelige
versuchten ihrer Würde dadurch besonders Ausdruck zuu geben, dass
sie besonders lange Schuhe (Schnabelschuhe) trugen.
Gang
und gäbe
Ein Stabreim, der aus den Worten "gang", also "dem was unter den Leuten
umläuft (gängig) ist" und "gäbe", Mittelhochdeutsch
"gaebe" = "angenehm, gültig", zusammengesetzt ist.
Damit bezeichnete man ursprünglich die im Umlauf
befindliche, gültige Währung. Im Laufe der Zeit wurde der
Ausdruck immer mehr für alles, was Sitte oder Brauch, ist
angewandt.
Jemanden
am Gängelband führen [W]
Das
"Gängelband" ist schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Es war
ein Band, an dem Kinder beim Laufen lernen festgehalten wurden. Das
Wort
"gängeln" bedeutete "ein Kind laufen lehren" (ihm den aufrechten Gang beibringen).
Wenn
man heute
jemanden gängelt, bevormundet man ihn.
Jemandem den Garaus machen
Was tut man jemandem an, dem man "den Garaus macht"? "Garaus" ist ein
Hauptwort, das sich aus "gar aus" im Sinne von "ganz aus" ableitet.
"Gar aus!" war der Ruf, mit dem in vielen süddeutschen
Städten die Polizeistunde ausgerufen wurde.
Gedöns um etwas machen
überflüssiges Getue wird gerne auch als "Gedöns"
bezeichnet. Der Ursprung des Wortes liegt in Norddeutschland und geht
auf
das alte Wort "gedense" = "hin- und herziehen" zurück.
Mit "Getöne", also viel Lärm um etwas machen, hat
das also
nichts zu tun.
Wir haben keine Gefangenen
gemacht
Keine Gefangenen zu machen oder auf gut Neudeutsch "take no prisoners"
war eine Terrortaktik der Piraten. Normalerweise führten
Piratenschiffe ja eine Flagge (Jolly Roger o.ä.), die sie als
Räuber kennzeichnete. Aber sie waren immerhin Willens, Gefangene
zu machen, d.h. ihre Opfer am Leben zu lassen.
Wurde aber ein
rotes
Tuch gehisst, sollte das den Opfern klarmachen, dass mit Gnade
nicht zu rechnen sei. Es stand also ein kurzer grausamer Beutezug
bevor.
Ein gesunder Geist
in einem gesunden Körper
Klingt so, als wollte Juvenal damals schon ein Fitnessstudio mit
angeschlossener Bibliothek aufmachen.
Aber "Roms letzter Dichter" wird normalerweise falsch zitiert.
Er sagte: "Man muss bei der Geburt eines Knaben die Götter bitten,
es möge in einem gesunden Körper auch eine gesunde Seele
wohnen..."
Für Gotteslohn
arbeiten
Wenn man von jemandem verlangt, er solle "für Gotteslohn
arbeiten", dann meint man nicht einen Lohn, wie ihn ein Gott gibt,
sondern einen Lohn, den Gott geben soll (statt des Menschen, der ihn
eigentlich bezahlen müsste).
"Für Gotteslohn" bedeutet also in den meisten Fällen
"unbezahlt".
ins
Gras beißen
mussten Krieger, die verwundet auf dem Schlachtfeld lagen. Man konnte
nach der
Schlacht oft feststellen, das die Sterbenden vor Schmerzen in den
Untergrund
gebissen hatten. Im englischen sagt man dazu "to bite the dust".
Der
Brauch, bei an Schwindsucht Gestorbenen die eingefallenen Wangen mit
Gras
"aufzupolstern", um sie zur Beerdigung optisch etwas zu
verschönern,
hat damit wohl nichts zu tun.
das Gras
wachsen hören [W]
Natürlich kann kein Mensch Pflanzen wachsen hören - also ist diese Redensart wohl göttlichen Ursprungs.
In der germanischen Sagenwelt der Edda ist Heimdall der
Wächter der Götter, denn er sieht bei Nacht so gut
wie bei Tag und kann hören, dass Gras auf der Erde und
Wolle auf Schafen wächst.
Das ist die
Gretchenfrage
Unter der "Gretchenfrage" versteht man "die entscheidende Frage
stellen, jedoch mit einer ausweichenden Antwort rechnen".
Ihren Ursprung hat diese Redewendung in Goethes Faust, wo Gretchen
Faust fragt: "Wie hast Du's mit der Religion?" - was Faust
übrigens ziemlich ausweichend beantwortet, weil ihm Gretchens
schlichte, naive Frömmigkeit nicht so recht zusagt...
jetzt ist der Groschen
gefallen
Die Redensart hat kommt von den Münzautomaten. Der Groschen
löst dort ja einen Mechanismus aus und das wurde mit einem
"Denkmechanismus" gleichgesetzt.
Dasselbe in Grün
Der Opel "Laubfrosch" war eine Kopie eines französischen Citroen.
Die
einzige Änderung war die grüne Lackierung. Für Kunden
war es also
"dasselbe in Grün".
Jemanden Grün und Blau schlagen
Wenn mit Indigo gefärbte Stoffe aus der Färberlauge kommen
sind sie zuerst grün.
An der Luft oxidiert der Farbstoff und wird langsam blau. Um diesen
Prozess zu
beschleunigen, schlug man mit Holzlatten auf die Stoffbahnen ein,
dadurch kam
mehr Sauerstoff in das Gewebe. Man hatte den Stoff Grün und Blau
geschlagen.
Ach du grüne Neune
Da gibt es eine halbwegs wahrscheinliche Deutung: Das Berliner
Vergnügungslokal "Coventgarden" in der Blumenstraße 9 hatte
einen Eingang am "Grünen Weg".
Nach 1852 wandelte sich das Lokal zum billigen Tanzcafé, in dem
es ständig zu Handgreiflichkeiten kam. "Die grüne Neune"
wurde also eine volkstümliche Benennung des berüchtigten
Lokals.
Haderlump [W]
Hadern sind die zerkleinerten Textilfasern, die man zur Herstellung von
besonders wertvollem Papier benötigt. In der Frühzeit der
Papierherstellung, als man noch keinen Zellstoff kannte, waren sie
sogar die einzige "Rohstoffquelle". Da man aber im
Mittelalter nicht die Mengen Textilien besaß wie heute,
wurden nur die alten Lumpen zur Papierherstellung abgegeben, die nun
wirklich niemand mehr anziehen wollte.
Die Frauen, die die Lumpen zerkleinern mussten, saßen auf einer
Bank, auf der ein nach oben gestelltes Messer montiert war.
An diesem Messer zerrissen sie den Stoff, bevor er gereinigt wurde. Da
kann man sich vorstellen, was passierte, wenn sich eine der Damen in
den Finger geschnitten hat.
Den
Männern ging es allerdings nicht viel besser: Da man glaubte, dass
die Papierherstellung am besten mit kaltem Wasser funktioniert, fingen
die Jungs um 3.00 Uhr in der Frühe an Papier zu schöpfen.
Dabei waren sie mit den ganzen Oberarmen im Wasser. Gicht und
andere fiese Krankheiten waren die Folge.
Ein
Haderlump ist also ein Lumpen, der so am Ende ist, dass man aus ihm
Hadern
herstellen darf. Es ist also wirklich das Allerletzte.
Hals- und Beinbruch
Ist nicht die Grußformel der Orthopäden, sondern stammt aus
dem Hebräischen und lautet im Original: "hazlache un birache"
("hazlachà" = "Glück"; "bïrache" = "Segen").
Ziemlich unspektakulär eigentlich, oder?
" Da liegt der Hase
im Pfeffer "
Bei diesem Hasen dreht es sich nicht um einen lebenden,
sondern um einen als Braten zubereiteten Hasen. "Pfeffer" war
früher eine beliebte Soße oder Brühe, die
mit Pfeffer und anderen Gewürzen abgeschmeckt wurde, in
dieser wurde der Hase eingelegt.
Wichtiger Bestandteil des
"Hasenpfeffers" ist Hasenblut, das
aber oft durch Rotwein ersetzt wird. Mit der Redensart bezeichnet man
ja den Punkt, auf den es bei einer Sache besonders ankommt. Also
vergleichbar dem Fleischanteil bei dieser Beize.
Alternative Erklärung:
Die Redensart "da liegt
der Hase im Pfeffer" stammt aus der
Jägersprache: "Pfeffer" ist Jägerlatein für den Kot von
Hase und
Kaninchen. Sie drückt demnach ursprünglich die Freude
darüber aus,
entweder das bejagte Tier erlegt oder das erlegte Tier gefunden zu haben
Als Hasenpfeffer wird die
kugelförmige Hasenkacke
bezeichnet, die in der Vielzahl eben aussieht wie Pfefferkörner.
Wo der
Hase viel davon hinterlässt, ist auch sein Versteck, sein Bau.
Quasi
das,wonach man verzweifelt sucht - was die Auflösung des
Geheimnisses
ist (wo denn der verdammte Hase ist.) Vgl. auch die moderne Version aus
dem Zivilfahnderjargon. "Da liegt der Demonstrant im Pfefferspray!"
hinterlässt.
Alexander,
München
"Mein Name ist Hase, ich
weiß von nichts"
Die Redewendung wird verwendet, wenn jemand ausdrücken will, dass
er mit einer Sache gar nichts zu tun hat (gelegentlich auch, wenn er in
Wirklichkeit durchaus etwas mit der Sache zu tun hat...)
Sie geht zurück auf Victor von Hase, der sich 1843 in einem Fall
vor Gericht verantworten musste und mit diesem Satz seine Unschuld
beteuern wollte.
Die Hand ins Feuer
legen
Stammt noch aus dem Mittelalter. Bei einem mittelaterl. Gottesurteil
mußte der
Angeklagte eine Zeitlang die Hand ins Feuer halten; der Grad der
Verbrennung
entsprach dem Grad des Verschuldens. Wunden wurden stets sofort
verbunden. Als
unschuldig hat nur der gegolten, der in kürzester Frist
wiederhergestellt war.
hänseln
Kommt nicht etwa von Hans (hänseln und greteln), sondern aus dem
Kaufmännischen.
Da das Aufnahmeritual für zukünftige Hansekaufleute relativ
drastisch und
peinlich war, wurden es bald schon im Volksmund "hänseln" genannt.
Unter
die Haube bringen
Eltern wollen ihre Töchter unter die Haube bringen, also
verheiraten. Nach germanischem Brauch durften verheiratete Frauen ihr
Haar nicht mehr offen tragen, sondern mussten es unter einer Haube
verbergen. Am Hochzeitstag setzte die Frau die neue Kopfbedeckung zum
ersten Mal auf.
Auch
die Römer
kannten diese Sitte.
Es
zieht wie Hechtsuppe
kommt wohl aus dem jiddischen: "hech supha"=starker Wind. Damit, dass
Suppe aus Hechtfleisch lange ziehen muß hat das Ganze
wahrscheinlich nichts zu
tun.
Hier sieht's aus wie bei Hempels unterm Sofa
sagt man,
wenn irgendwo fürchterliche Unordnung herrscht. Die Hempels waren
natürlich keine konkrete Familie, sondern stehen stellvertretend
für grobe, ungebildete, unziviliserte Menschen. Abgeleitet ist der
Name von "Hampel" (den wir z.B. im Hampelmann noch wiederfinden).
Hilf dir selbst, so hilft
dir Gott
Diese mittelalterliche Weisheit taucht schriftlich fixiert im 16.
Jahrhundert beim Schriftsteller Justus Georg Schottel in der Form:
"Mensch, hilf dir selbst, so hilfet Gott mit." auf.
Ähnliches schrieben auch schon antike Römer wie Cicero
("Fortes fortuna adjuvat" = "Den Mutigen hilft das Glück").
In Schillers "Wilhelm Tell" fordert Gertrud Stauffacher ihren Mann
Werner zum Widerstand gegen die Reichsvögte auf: "Dem Mutigen
hilft Gott."
Hinz
und Kunz [W]
Die Bezeichnung für die große Menge, die
Durchschnittsbevölkerung, stammt aus dem Mittelalter,
als "Hinz" = "Heinrich" und "Kunz" = "Konrad" sehr verbreitete Namen
waren. Grund war wahrscheinlich die lange Reihe von Heinrichs
und Konrads als Herrscher.
Schon
um 1300
ist die Redewendung formelhaft, ab dem 15. Jahrhundert nimmt
sie spöttischen Charakter an.
"jemand den Hof
machen"
Die Redensart bedeutet "um jemanden werben", meist im Sinne
von "sich um Zuneigung bemühen".
Sie leitet sich ab aus den Sitten der feinen Gesellschaft. Der "Hof"
war die Umgebung des Fürsten, jeder der ihm diente gehörte zu
seinem Hofstaat. Und wer für ihn arbeitete, "machte ihm den Hof".
Von der diensteifrigen Art der Höflinge leitete man die
Bezeichnung ab für das
werbende Huldigen um die Gunst einer angebeteten Person.
Auf
dem Holzweg sein
In den Wäldern existieren einfache Wege, die nur dem Transport des
geschlagenen
Holzes dienen. Diese Straßen führen nun aber nicht von Ort
zu Ort, sondern
enden meist mitten im Wald. Deshalb ist jemand, der auf eine falsche
Lösung zusteuert, auf dem "Holzweg".
Nur nicht hudeln
Nicht vorschnell handeln. "Hudeln" ist ein alter Handwerkerausdruck,
der, neben anderen, auch die Bedeutung "schlampige Arbeit" hat. Aus dem
Jahre 1741 kennt man die Wendung "die Arbeit schnell weghudeln".
Zumindest in Österreich legendär ist Hans Mosers Ausspruch:
"Bittschön, Herr Kapellmeister, nur net hudeln, i bin do net der
Nurmi..." (Der Finne Paavo Nurmi war d e r
Langstreckenläufer der 1930-er Jahre, Inbegriff für
Schnelligkeit und Audauer.)
Auf
den Hund gekommen
Als die Leute ihre Habseligkeiten noch in Truhen aufbewahrten (weil die
leichter
wegzuschaffen waren, falls es brannte oder Söldnerhorden
plünderten) Waren auf
dem Boden der Truhen oft Schutzsymbole eingraviert, darunter oft auch
ein Hund.
Wenn jemand alles verloren hatte was normalerweise in der Truhe liegen
sollte,
war er"auf den Hund gekommen".
Vom Hundertsten
ins Tausendste kommen
Bei der Redewendung geht es ursprünglich gar nicht um
abschweifendes Labern, sondern um Rechenfehler.
Im 15. bis zum 17.
Jahrhundert
gab es die sogenannte "Rechenbank" auf der waagerechte Linien
gezogen waren, die den aufgelegten Marken einen bestimmten
Wert zuwiesen. Die Linien markierten Dezimalsprünge. Wer, wie die
Originalredensart lautet, das "Hundert in das Tausend wirft", der
"macht es also, daß niemand weyß, was er
rechnet oder redet" (Johann Agricola, 1529).
Irgendwann ging
dann
das Wissen um die "Rechenbank" verloren, doch die Redensart blieb uns
erhalten.
Zum
Stamme Ibo gehören
Damit sind Menschen gemeint, die regelmäßig Wendungen wie
"ich und die anderen" benutzen. Der Esel nennt sich halt zuerst, klar.
Das "Ibo" ist ein Akronym aus dem englischen "I before others".
Alle Jubeljahre
Das Jubeljahr oder "Halljahr" kehrte bei den Israeliten alle 50 Jahre
wieder. Es wurde mit Posaunen im ganzen Land bekannt gegeben. Mit dem
Brauch sollte der Verarmung der Bevölkerung entgegengewirkt
werden, da in diesem Jahr alle Schulden erlassen wurden.
Auch in der christlichen Welt wurde ein solcher Brauch
eingeführt. Das Jubel- oder Gnadenjahr sollte sich alle 100 Jahre
wiederholen. Der Zeitraum wurde dann aber auf 50, 33 und zum Schluss 25
Jahre verkürzt. Das letzte Jubeljahr war übrigens das Jahr
2000.
Das "jubeln" findet sich auch noch in unserem Begriff "Jubiläum".
Ein
eingefleischter Junggeselle [W]
"Eingefleischt" ist eine Lehnübersetzung von Lateinisch
"incarnatus". Es bedeutet "zu Fleisch geworden". Ursprünglich
wurde es nur für Christus, den Fleisch gewordenen Sohn Gottes
benutzt, mittlerweile verwendet man es nur noch zur Beschreibung eines
"unverbesserlich unverheirateten Mannes".
Ad kalendas
graecas
Gebildete Menschen (und solche, die sich dafür halten) benutzen
schon mal diesen Ausdruck, um ein Datum, das niemals eintritt, zu
benennen.
Die "Kalenden" waren bestimmte Tage im römischen Monat,
an denen
normalerweise Schulden zurückgezahlt wurden. Die Griechen
kannten diese Tage nicht, daher kann es keine "griechischen Kalenden"
geben. Und wenn einer seine Schulden an den griechischen Kalenden
zurückzahlen wollte, wusste man schon, was Sache war.
Heute bemühen wir den "Sankt Nimmerleinstag" als
unmögliches Datum.
Kalte
Füße bekommen [W]
Die Redensart, mit der der Sachverhalt des "Abbrechens einer
(illegalen) Handlung" umschrieben wird, entstand am Spieltisch. Es war
eine beliebte Ausrede, das Spiel abzubrechen und so den Gewinn zu
sichern.
Auch im Englischen kennt man "to get cold feet".
Das sind doch olle Kamellen
Das sind alte, überholte Nachrichten und Geschichten. Damit sind
nicht die noch aus dem letzten Rosenmontagszug übrig
gebliebenen Süßigkeiten gemeint, sondern Kamillenpflanzen.
Wenn man Kamille zu lange lagert gehen Aroma und Heilkraft verloren.
Mit den
alten Kamillen kann der Apotheker nichts mehr anfangen.
Jemanden an die Kandare
nehmen
Ein Ausdruck für strenges Maßregeln. Die "Kandare" ist eine
einteilige Gebissstange am Zaumzeug des Reitpferdes. Sie
ermöglicht ein besonders scharfes Zügeln.
Der Begriff "Kandare" kam über das Ungarische
("kantàr" = "Zaum") zu uns. Die heute üblicherweise
benutzte "Trense" ist durch ihre Konstruktion für das Pferd
angenehmer.
Das Geschütz, die "Kanone" hat seinen Namen übrigens
von Italienisch "canna" für "Rohr".
Unter aller Kanone
Darunter versteht man nicht den Boden unter der Artillerie, sondern
etwas, das unter jedem "Kanon", d.h. unter jedem Maßstab liegt.
Kapriolen schlagen
Eigentlich: übermütig (oft unkontrollierte) Luftsprünge
machen; artistische Sprünge machen; allgemein: einer Handlung
immer wieder unerwartete Wendungen geben, vor allem im Zusammenhang mit
dem Wetter: Das Wetter schlägt Kapriolen = das Wetter spielt
verrückt. - Das italienische Wort "capriola" bedeutet "Bocksprung".
Rin
in
die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln [W]
Die Redensart kommt vom Militär. Im Manöver gab es oft den
Befehl, auf einen Kartoffelacker vorzurücken. Dieser Befehl wurde
dann aber genauso häufig zurückgenommen, um Flurschäden
zu vermeiden.
Einen Kater haben
Wer einen "Kater" hat, spürt die Folgen eines starken Rausches;
ganz allgemein bezeichnet man damit auch die Ernüchterung nach
einer großen freude sowie Gewissensbisse, Reuse.
Der "Kater" hat seinen Ursprung wohl im Wort "katarrh". Es fand
über die Sprache der sächsischen Studenten Eingang in unsere
Umgangssprache: Leipziger Studenten sollen seit etwa 1850 in
Sätzen wie "Er ist von einem physischen und moralischen Catarrh
befallen" die heimatliche volkstümliche Form "Kater" eingesetzt
haben. Durch Eingang in die allgemeine Studentensprache habe der
Ausdruck dann weite Verbreitung gefunden.Anfangs war
es wohl eher ein Begriff für ein
allgemeines
Unwohlsein, erst später wurde "Kater" für alkoholbedingte
Problemchen gebräuchlich.
Dazu beigetragen haben auch vorhandene Redensarten wie z.B. "verliebt
wie ein Kater", daraus entstand "besoffen wie ein Kater" und schon war
der arme Zimmertiger zum Alkoholmonster geworden.
Andererseits
war schon in der Goethezeit (frühester Beleg 1768) davon die Rede
war, dass Menschen gelegentlich von einer Krankheit befallen
würden, die sie mit Katzen gemeinsam hätten und die man
"Katzenjammer" nennt; es ist möglich, dass der Ausdruck "einen
Kater haben" als gleichbedeutend mit "einen Katzenjammer haben"
verstanden wurde und dass die beiden Begriffe ("Kater" aus Leipzig und
"Katzenjammer" aus dem 18. Jahrhundert) im 19. Jahrhundert verschmolzen
sind.
Der Katzenjammer leitet
sich ab von dem - einem Babygeschrei recht ähnlichen -
nächtlichen Jammern liebestoller Katzen. Wer so schreit, muss sich
entsetzlich unwohl fühlen - das ist eben das Gefühl, das man
hat, wenn man verkatert ist: Übelkeit, Appetitlosigkeit,
Kopfschmerzen und Gemütsverstimmung und Niedergeschlagenheit "Mir
ist so elend, dass ich jammern könnte wie eine Katze."
Ein komischer Kauz
Der Kauz, der als Nachtvogel oft gegen die Fenster der auch nachts
erhellten Krankenstuben flog, wurde, im Aberglauben, zum Totenvogel,
den es zu meiden galt.
Im 16. Jahrhundert wurde der Begriff "Kauz" dann immer mehr
zur Bezeichnung für menschliche Sonderlinge oder menschenscheue
Außenseiter, die man mit dem "lichtscheuen", bei Tage selten
anzutreffenden, Vogel verglich.
Mit
Kind und Kegel
Als Kegel wurden früher uneheliche Kinder bezeichnet, insbesondere
solche von Mägden
und ihren Herren.
Arm wie eine Kirchenmaus
In Kirchen gibt es keine Vorratskammern. Daher ist die ärmste
aller Mäuse eben die Maus, die in der Kirche wohnt. Auch im
Französischen sorgt man sich um die "rat d'église".
Mit ihm ist nicht gut Kirschen
essen
Die Redensart erklärt sich von selbst, wenn man den
vollständigen Wortlaut kennt: "Mit hohen Herren ist nicht gut
Kirschen essen, sie spucken einem die Steine ins Gesicht."
Zur Zeit, in der die Redensart entstand, war der Anbau von
Kirschbäumen noch auf Klostergärten und Gärten der
vornehmen Bevölkerung
beschränkt.
Kleider
machen Leute
So
heißt eine Novelle von Gottfried Keller, in der ein Schneider in
einem Dorf wegen seiner edlen Kleidung (er hatte gerade keine andere
als die, die er eigentlich hatte verkaufen wollen) für einen
Grafen gehalten wird.
Aber
vermutlich ist es schon eine Feststellung aus dem Mittelalter, denn
auch von damals gibt es Geschichten wie diese: Ein Gelehrter ging
über den Markt und keiner grüßte ihn. Als er aber in
der Amtstracht dann unterwegs war, wurde er von allen
gegrüßt. Zu Hause zog er den Anzug aus und fragte
verärgert das Stück Stoff: "Bist Du der Doktor oder bin ich
es?"
"Knöllchen"
für Strafzettel
Der Begriff geht wohl darauf zurück, dass aus der kölschen
Verkleinerungsform zu "Protokoll", nämlich "Protoköllche",
durch die lautliche ähnlichkeit mit "Knöllche", der
Verkleinerungsform von "Knolle", eben das "Knöllchen" geworden ist.
Kohldampf haben
Der Begriff Kohldampf leitet sich weder von Gemüse, noch von
siedendem Wasser
ab. Kohl leitet sich wahrscheinliche vom rotwelschen "Kohler" = Hunger
ab, was wiederum aus dem zigeunerischen "Kalo" = arm abstammt. Dampf
stammt ebenfalls aus dem Rotwelschen und bedeutet auch "Hunger.
Den Kopf in den Sand stecken
Die Augen vor der
Wirklichkeit verschließen; etwas nicht wissen wollen. Die
Redewendung ist abgeleitet von einer Verhaltensweise des Vogels
Strauß, dem man auf Grund ungenauer Beobachtungen anchsagtte, er
stecke bei Gefahr den Kopf in den Sand.
Da lacht die Koralle
Das war die überschrift der Witzseite in der Illustrierten
"Koralle", die in den 30er Jahren erschien.
Einen Korb bekommen
Die Redensart nimmt
Bezug auf einen mittelalterlichen Brauch. Stand ein
junger Rittersmann (oder Knecht, egal) vor dem Fenster eines holden
Mägdeleins und begehrte Einlass in ihr Zimmer, Herz und Sonstiges,
so ließ sie ihm einen Korb hinunter, in den er sich setzte und
daraufhin hinaufgezogen wurde. Holde Fräueins wohnten meist etwas
höher (Rapunzel, man erinnert sich). Ob damals die Damen
kräftiger waren als heutzutage, oder ob ihnen jemand beim
Hochziehen half, wer weiß.
War der Mann der
Dame
doch nicht so ganz genehm, lockerte sie vorher den Boden des
Korbes oder ließ auf halber Höhe an dem Seil so lange
rütteln, bis
der Boden des Korbes durchbrach und der Minnediener in die Tiefe
stürzte. Er war damit durchgefallen.
Auch Martin Luther
kannte
diese Redewendung schon.
Aus echtem Schrot und Korn --->Schrot
Man hat schon Pferde kotzen sehen... ---> Pferde
In
der Kreide stehen
Ließ man früher beim Wirt anschreiben, so machte dieser
Notizen auf einer
Tafel, die Schulden standen also "in Kreide".
Krethi und Plethi
Der Ausdruck für eine bunt zusammengewürfelte Volksmenge, ist
biblischen Ursprungs (Altes Testament 2. Sam. 8,18). Damit ist
ursprünglich die Elitetruppe König Davids gemeint. Man ging
lange davon aus, dass mit "Krethi" der Volksstamm der Südphilister
und mit "Plethi" die Nordphilister gemeint wären.
Im Hebräischen allerdings bedeutet "krethi" = "ausrotten,
töten" und "plethi" = "entfliehen, forteilen". Krethi und Plethi
waren demnach wohl die Scharfrichter und Eilboten des Königs.
Drei Kreuze
machen
"Drei Kreuze machen" kommt natürlich aus dem religiösen
Brauchtum. Es bedeutet: "Sich mit dem Kreuzzeichen segnen, dass etwas
Schlimmes vorübergegangen ist."
Die Dreizahl wurde schon immer eingehalten, wenn etwas Wichtiges zu
verrichten war: Dreimal im Jahr wurde Gericht gehalten, es waren
mindestens drei Urteiler nötig etc. Und natürlich
"Aller guten Dinge sind drei."
Es ist also ein
besonders
intensives Segnungsritual.
Da stehste, wie die Kuh vorm Neuen Tor
Im alten Berlin hatten die Straßenbahnlinien Buchstaben. Das Neue
Tor war eingleisig und die Linie Q musste häufig warten.
Das geht auf keine Kuhhaut
Heißt, es passt auf kein noch so großes Pergament.
Pergament wurde normalerweise aus Schafs- oder Kalbshäuten
gemacht. Wenn etwas zu lang wurde, passte es nicht einmal mehr auf eine
(viel größere) Kuhhaut. Der erste Beleg für die
Redewendung sind die "sermones vulgares" von Jaques de Vitry (vor 1240).
Die Redewendung hat nichts mit der Geschichte um Königin Dido zu
tun, die mit einer aus Kuhleder geschnittenen Leine das Gebiet der
zukünftigen Stadt Karthago umspannte.
Kunterbunt
Das Wort "kunterbunt" stammt aus dem 15. Jahrhundert und kommt
eigentlich von "contrabund" also "Kontrapunkt" (Lateinisch "contra" =
"gegen"; "punctus" = "Stechen, Punkt"); es bedeutete auch damals schon
"vielstimmig".
Durch die Lappen gehen
Entwischen, entkommen.
Es geht aber nicht darum, zwischen finnischen Ureinwohnern
hindurchzulaufen. Die Redensart stammt aus der Jägersprache. Um
das Wild am Ausbrechen aus dem Jagdrevier zu hindern, wurden bunte
Lappen zwischen den Bäumen aufgehängt, vor denen die Tiere
zurückscheuten. Oft genug durchbrachen sie aber in Todesangst die
Absperrung und "gingen so durch die Lappen". Seit dem 18. Jahrhundert
wird die Wendung auch auf Menschen angewandt.
"mit seinem Latein am Ende sein"
Latein war im Mittelalter die Sprache der Gelehrten. Es
wurde auch im übertragenden Sinne für "Wissen"
und "Wissenschaft" benutzt. Wer mit seinem Latein am Ende
ist ist also mit seinem Wissen am Ende, er weiß nicht
mehr weiter.
Was ist dir für eine Laus
über die Leber gelaufen?
Ursprung der Redewendung ist die Annahme, dass die Leber der Sitz der
leidenschaftlichen Empfindungen sei. Ursprünglich hieß es
einfach: "Es ist ihm etwas über die Leber gelaufen.". Die Laus
wurde dann als Sinnbild für einen geringfügigen Anlass, eine
Nichtigkeit, dazugepackt.
Die "Laus" ist ein gutes Beispiel für die Beliebtheit von
Stabreimen in Redensarten.
Was ist das denn
für eine Leichenbittermiene?
Der Leichenbitter hatte,
so war es Brauch, die Aufgabe, die
Trauergäste zum Begräbnis einzuladen. So wie eine Stewardess
berufsmäßig lächelt, hatte ein professioneller
Leichenbitter natürlich ein ordentlich betroffenes Gesicht zu
machen. Die "Leichenbittermiene" bedeutet heute meistens eine deutlich
gezeigte, aber nicht wirklich echte Trauer.
Vom
Leder ziehen
Richtig loslegen, angreifen (z.B. in einer Rede)
Im preußischen Militär hatte jeder Soldat einen Säbel,
der in einer Lederscheide steckte. Wenn es ernst wurde, zog der Soldat
den Säbel ganz aus der Scheide, also vom Leder.
Jemandem
die Leviten lesen
Eine Strafpredigt halten.
Seit dem 8. Jahrhundert
kennt man das, aber ursprünglich bedeutete die Redewendung nur,
dass den Geistlichen aus dem „Leviticus“ (3. Buch Mose), den
Vorschriften für Priester und Leviten, vorgelesen wurde. Bereits
zu dieser Zeit verstand man darunter aber auch eine Art von
Strafpredigt - und wenn man die einzelnen Strafandrohungen aus diesem
Buch sich genauer ansieht, wundert einen das gar nicht. Die Leviten
waren im frühen Mittelalter die Gehilfen des Priesters,
Angehörige des isrealischen Stammes der Leviten, die
ursprünglich als Priester, dann als Tempeldiener tätig waren
und alle sieben Jahre das Gesetz vorlesen mussten.
Den
Löffel
abgeben
umgangssprachlich für "sterben". In einfachen Familien gab es als
einziges Besteckteil den Löffel, mit dem der tägliche Brei
zugeführt wurde. Jeder hatte seinen eigenen Löffel, den er
nach dem Mahl abschleckte undf an einen festen Platz zurücklegte.
War einer gestorben, so gab er naturgemäß den Löffel
ab, insbesondere dann,l wenn nicht genügend Löffel im Haus
waren: Dann bekanm, wenn der Älteste starb, der Jüngste
seinen Löffel.
Der Alte hatte
also den Löffel abgegeben.
Sich auf den Lorbeeren
ausruhen
Dass es nicht gut ist, sich nach einem Erfolg nicht weiter
anzustrengen, wusste schon Königin Luise von Preußen. 1808
schrieb sie ihrem Vater: "Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren."
Sie meinte die Erfolge Friedrichs des Großen.
Lunte
riechen
Mit der seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bekannten Redensart meinte
man den beißenden Geruch der Zündschnur, mit der
Geschütze abgefeuert wurden. Dieser Geruch verriet oft den
Standort eines verborgenen Geschützes.
Maulaffen
feilhalten
Das hat nichts mit Primatenverkauf zu tun, sondern mit Hausbeleuchtung.
Früher nutzte man Kienspäne, um die Wohnung notdürftig
zu erhellen. Wenn man beide Hände brauchte, klemmte man die Dinger
schon mal zwischen die Zähne. Die üblichen Tonklötzchen,
die als Unterlage für Kienspäne dienten, wurden daher oft in
Form eines Kopfes gefertigt, dessen verbreiterter Mund den Span hielt.
Diese Spanhalter sind seit dem 13. Jahrhundert in Österreich als
"Maulauf" nachweisbar. Später wurden die Dinger aus Eisen
hergestellt und hatten auch eine andere Form, der Name aber blieb.
Jemand der mit offenem Mund dasteht, wird also noch immer mit einem
Verkäufer von 800 Jahre alten Tongeräten verglichen.
Da
beißt die Maus keinen Faden ab
Die Redewendung steht wohl in Zusammenhang mit der heiligen Gertrud von
Nivelles, die im Mittelalter vor allem zur Abwehr von Ratten- und
Mäuseplagen angerufen wurde.
Der Tag
der heiligen Gertrud, der 17. März, ist ein wichtiger Tag des
bäuerlichen Kalenders, es ist der Beginn des Frühlings. An
diesem Tag werden die Winterarbeiten eingestellt und man beginnt mit
Feldbestellung und Gartenarbeit. Wenn am Gertrudentag noch
gesponnen wird, so behauptete man, werde der Flachs von den
Mäusen zerfressen, oder der Faden abgebissen.
Die
heilige Gertrud wurde oft mit einer oder mehreren Mäusen
abgebildet, die an ihrer Spindel hinaufklettern.
Die Redewendung war wahrscheinlich schon vor 1400 gebräuchlich.
Milchmädchenrechnung
Eine
Rechnung, die auf allzu naiven Voraussetzungen beruht.
Die
Rechnung, von der man hier spricht, wird zum ersten Mal in Jean de la
Fontaines Fabel von Perette, der Magd, erwähnt.
Das
"Milchmädchen" Perette lebte im 17. Jahrhundert und war
Bauernmagd. Eines Morgens ging sie vom heimischen Hof in die nahe
Stadt, um
einen Topf Milch auf dem Markt zu verkaufen. Dabei kam sie ins
Träumen. Was man
alles mit dem Erlös kaufen könnte! Wofür man den
Erlös wiederum ausgeben könnte!
Wie das Geld dabei immer mehr wird! Am Ende könnte man sogar eine
ganze Kuh
kaufen! Leider geriet sie vor Freude über ihre Pläne ins
Stolpern und verschüttete
die Milch - das Ende ihrer Investitionstheorie.
Der
Begriff bedeutete ursprünglich also keine kreative Kalkulation,
sondern das
jähe Ende eines Plans, verursacht von einem Missgeschick.
Jemand
zur Minna machen
Jemand fertigmachen, demütigen, heftig zurechtweisen.
Dienstmädchen hießen früher, insbesondere in der
Wilhelminischen Ära, angeblich gerne Wilhelmine, kurz Minna:
Die Koseform wurde im Lauf der Zeit zu einer Art
Berufsbezeichnung für ein Dienstmädchen.
Ohne Moos nix
los
Der Ausdruck Moos für Geld stammt aus dem Hebräischen
"maïoth" = "Pfennige, Kleingeld".
Der weiß wo der Barthel den Most holt
s. Barthel
Jemanden mundtot machen
Hier ist nicht der Mund im Gesicht gemeint. "Munt" war ein
mittelhochdeutsches Wort mit der Bedeutung "Schutz, Schirm,
Schutzgewalt". "Jemanden mundtot machen", bedeutete ursprünglich
ihn "entmündigen". In "entmündigen", "Vormund" und
"
Mündel" lebt der alte Begriff "munt" noch fort.
Weil "munt" und "Mund" gleich klingen wandelte sich der Ausdruck
umgangssprachlich in seiner Bedeutung zu "jemanden zum Schweigen
bringen".
eine Fundgrube für alle an diesem Thema Interessierten ist
Kurt Krüger-Lorenzens Standardwerk Deutsche Redensarten und was
dahintersteckt (abgek. KrL; Neuaufl.: 2001 = Heyne-Sachbuch 764, leider nicht mehr lieferbar)
Marburg, den 28. September 2006 W. NÄSER
das *Ei des Kolumbus: beim Festmahl des Kardinals Mendoza
für den Admiral Kolumbus nahm dieser ein Ei und fragte, wer von
den Anwesenden dieses auf die Spitze stellen könne. Als alle
verneinten, nahm er das Ei und schlug ein Ende platt, woraufhin es
stand KrL 76S
Heinz Erhardt sieht
das Ganze übrigens anders - er erläutert, dass Kolumbus nach
seiner Rückkehr in Madrid eine reizvolle "Dame weiblichen
Geschlechts" erblickt
und daraufhin erfreut "Ei" ausgerufen habe, was als das "Ei" des Kolumbus in die Geschichte eingegangen sei.
- mir wird *blümerant: um
1650 von frz. bleu mourant 'matt-, sterbendblau', einer Modefarbe
[a. WAHRIG 1986,283M]. Hatte man
sich an ihr bis zum Unbehagen sattgesehen, verallgemeinerte man diesen
Tatbestand später mit volksetymologischer Umdeutung, so daß
blümerant Ausdruck wurde für 'elende Gemütsverfassung'
- (einen) *Bock haben auf 'Lust
haben auf'; in der Jugendsprache seit den 70er Jahren; bereits bei WAHRIG 1986,285M; Motivation (erotisch?)
unklar.
-> null Bock 'keine Lust'
- einen *Bock schießen: beim
Preisschießen bekam der schlechteste Schütze oft einen Bock geschenkt
- jn ins *Bockshorn jagen
'unsicher machen, in die Enge treiben'; nach WAHRIG
1986,285R Herkunft umstritten; könnte als Wortspiel jedoch darauf
anspielen, daß das sich verjüngende Bockshorn zum Ende hin immer
enger wird und schließlich zum Gefängnis für etwas Kleines, das
hineinfällt. Bockshorn könnte auch eine Art von Instrument sein.
WN121289pm DSA
- *Bocksbeutel: die
Weinflasche ist dem Hodensack (Beutel) eines Bockes nachgebildet; a.bei WAHRIG 1986,285R
- für jn in die *Bresche
springen [jdm. in Not beistehen]: frz. bruche ist die vom Belagerer in die
Festungsmauer geschlagene Lücke; die von den Belagerten gehalten,
verteidigt werden mußte. War einer der Verteidiger gefallen, mußte ein
anderer seinen gefährlichen Platz einnehmen, also in die Bresche springen.
KrL 48
- ein *Brett vor dem Kopf
haben: hier das Joch des Zugochsen gemeint, der als bes. dumm galt. KrL 48
- jdm *Brief und Siegel geben
für etw: früher wurden Urkunden nach lat. [documentum] breve 'Brief'
genannt; zum Brief gehörte das Siegel des Ausstellers, ohne den das
Schriftstück wertlos war. auch KrL 48
- in die *Brüche gehen: von
Bruch 'Sumpf', vgl. den Oderbruch bei Berlin; also 'in den Sumpf geraten,
umkommen'. Im Ma. war bruch = Strafe. KrL 49. Man könnte, rein
etymologisch, auch Deutung von engl. breeches 'Kniehosen' annehmen i.S.v.
'in die Hose(n) gehen'
- saufen wie ein
*Bürstenbinder: von bursa 'gemeinsame Kasse' bei mittelalterlichen
Studentenverbindungen; deren Mitglieder hießen bursen, später Burschen;
das Verb burschen, spüter bürsten für 'trinken'; GRIMM DWB 2(1860) erwähnt dazu lat. purgare 'gleichsam die
kehle oder das glas ausputzen (552)
- bei jm auf den *Busch
klopfen/schlagen 'jdn auszuhorchen versuchen': v. Busch 'Büschel,
Federbusch', der am Hut getragen wurde; Busch ist auch verwandt mit ->
Bausch und -> Böschung. WAHRIG
1986, 309R
- auf dem *Damm sein: sich
vor Sturmfluten geschützt fühlen KrL 61
- *Dampf haben vor etw.:
gaunersprachl. Dampf 'unangenehmes Gefühl' KrL 61; in Anbetracht von idg.
*dhem 'stieben, rauchen' u. engl. damp 'Feuchtigkeit' sowie der dt. RA mir
raucht der Kopf könnte auch das Bild des benebelten oder verschwitzten
Kopfes angenommen werden WN 131289am DSA
- jm den/die *Daumen
drücken/halten [Glück wänschen]: der D. steht hier möglicherweise als pars
pro toto für die ganze Hand, die hier zum Zeichen der Sympathie
gedrückt wird WN 121289pm DSA
- jm einen *Denkzettel geben
[die Quittung für erlittenes Unrecht]: zum einen die Vorladung,
amtl. Benachrichtigung (nach hansischem Recht): s. hierzu CHIROGRAPH(UM): Kerbbrief, -zettel, Spaltbrief,
-zettel: Urkunde, die in doppelter Ausfertigung auf ein Stück Pergament
geschrieben wurde, worauf man irgendein Wort (z.B. Chirographum) zwischen
die Urkunden längs schrieb und das Pergament durch dieses Wort hindurch
zerschnitt. Jede der Parteien erhielt eine Ausfertigung; bei Anfechtung
wurde die Echtheit durch Zusammenlegen bewiesen. HABERKERN-WALLACH
1,102; in Lateinschulen Sündenregister der Schüler KrL 68; RA ist
ebenso figurativ wie
- 'er schreibt eine gute
Handschrift' = erteilt kräftige, sehr schmerzhafte Ohrfeigen
- *Dreck am Stecken haben
[viel a.d. Kerbholz haben]
- keinen *Deut wert sein: der
Deut war früher die kleinste holländ. Münze; < mnd. doyt, anord. dveiti
'geringe Münze', ursprüngl. 'abgehauenes Stück', zu anord. dveita 'abhauen'
WAHRIG 1986,341L, KrL 68
- aller guten *Dinge sind
drei; von altgerm. thing 'Gericht', wurde bereits in urkk. des 14. Jhds.
zur 'Sache' (entsprechend lat. causa). Wer auch beim dritten Male der
Ladung zum Gericht nicht nachkam, wurde in Abwesenheit verurteilt.
- Bedingung: hier 'Ursache
eines Ereignisses', ursprünglich Ursache für das Zusamnmentreten des
Things
-> Dienstag: der Tag des Kriegsgottes Ziu mit dem Beinamen Thingsus
'Schützer des Things' (WAHRIG
1986,346L)
-> dingen < ahd. dingön 'vor Gericht verhandeln'
-> jdn *dingfest machen, eig. 'für die Gerichtsverhandlung festnehmen'
-> verteidigen (von taga-dinc 'für einen Tag anberaumte
Gerichtsverhandlung')
- ein *Ding drehen: D. ist
hier die vor Gericht zu verhandelnde Sache
- ein *Ding mit Pfiff: Pf. hier
'Kniff, Trick, eigentlicher Reiz einer Sache, das, was etwas erst
vollkommen macht: diese Schleife gibt dem Kleid erst den richtigen --'; in
dieser Bed. zurückgehend auf den Lockpfiff des Vogelstellers WAHRIG 1986,985R
- das geht nicht mit rechten
*Dingen zu: eig. 'geschieht nicht auf rechtmäßige Weise, nach
rechtsgültigen Normen'
-> vor allen *Dingen 'in der Hauptsache'
- jm blauen *Dunst vormachen
'jdm etw vormachen': nach altem Brauch lassen Zauberer vor ihren
Experimenten oft blauen Dunst aufsteigen, damit die Zuschauer nicht so
genau auf die Finger sehen und hinter das Geheimnis des Tricks kommen KrL
74 f.
- es ist (die) höchste
*Eisenbahn [höchste Eile,Zeit]: nach einem Stück des Berlinischen
Volksschriftstellers Adolf Glassbrenner KrL 78
- das dicke *Ende: für
Gewehrkolben, mit dem im Nahkampf zugeschlagen wird; bei Raufereien wird
der Stock umgedreht, weil das dickere Ende schlagkräftiger ist KrL 78
- das *Ende vom Lied [der
schlimme Ausgang e. Sache]: Schluß von Volksliedern, bes. aber von sog.
Moritaten (Küchenlieder) ist häufig sehr tragisch
- das ist eine *Ente
(Zeitungsente): von der Deutung her besonders interessant: schon bei LUTHER heißt es "so kömpts doch
endlich dahin, das an stat des evangelii und seiner auslegung widerumb von
blaw enten gepredigt wird" (zit bei GRIMM
3(1862),509; KrL 79 geht davon aus, daß die Ente als unzuverlässige
Brüterin bekannt sei, was ihr wahrscheinlich einen schlechten Ruf
eingebracht habe (unzuverlässiges Brüten/unzuverlässige Nachricht); von
den 'blauen Enten' i.S. der unzuverlässigen Nachrichten her ist abgeleitet
'jdm etw blaues vormachen', syn. dazu 'jdm blauen dunst machen' (GRIMM, ebd.); erst später, im 19. Jhd., kam
eine franz. Zeitung auf mit dem Titel Le Canard enchainée 'Die gefesselte
Ente'; es ist nicht klar, wie dieser Titel motiviert ist, doch führt man
den Ausdruck Zeitungs-ENTE heute
fast nur noch auf diesen Titel zurück. WN 131289am DSA
- nicht lange *fackeln: von
altdt. facken (=ficken) 'hin und her bewegen'; hieraus pejor. fackeln
(zändeln von zänden; kränkeln, blödeln, werkeln, ketteln usw.) -> KrL
81
- den *Faden verlieren 'nicht
mehr weiter wissen'/ Leitfaden: Ariadne, Tochter des Königs MINOS von Kreta, gab ihrem Geliebten
Theseus ein Garnknäuel, damit er aus dem Labyrinth wieder hinausfände. Als
er in dieses hineingeführt wurde, entrollte sich das Garn KrL 81
- der rote *Faden (engl. red
tape 'rotes Band'): in GOETHE,
Wahlverwandtschaften 2,2 angebl. Besonderheit in Ausstattung der brit.
Marine: sämtl. Taue seien mit rotem Faden durchsponnen, den man nicht
herauswinden könne, ohne das Ganze zu zerstören. Der rote Faden
kennzeichne die Taue als Eigentum der Krone KrL 82
- das hängt an einem seidenen
*Faden: die Schicksalsgöttinnen spinnen nach german. Vorstellung den
Lebensfaden des Menschen: von seiner Stärke hängt dessen Lebensdauer ab
KrL 82
- nach Strich und *Faden:
beides sind alte Maßeinheiten: der STRICH eine
"längeneinheit, nach dem zehentmasz der zehnte teil eines zolles
[...]" bzw. bes. in der Marine, 1/12 eines Zolles GRIMM DWb 19(1957),1521; bezieht sich auf CAMPE 4(1810) sowie ältere Belege aus dem
18. Jhd.; FADEN (engl. fathom)
bedeutet urspr. "soviel als ein mann mit ausgestreckten armen
umfangen kann" GRIMM DWb
3(1862); Sinn der RA vielleicht: im großen und kleinen Maßstab gesehen
* Nach KrL kommt die RA aus dem Webereiwesen und bezeichnet die sich
kreuzenden Fadenrichtungen
- was ist bloß in dich
ge*fahren? Nach älterer Vorstellung kann der Teufel in einen Menschen
fahren und dessen Geist verwirren; daher auch '[von etw] besessen sein'
KrL 84
- *Farbe bekennen 's.
Meinung, An- bzw. Absicht offenlegen': vom Kartenspiel. -> KrL 86
- *fechten 'betteln':
wandernde Handwerksburschen, die das Fechten gelernt hatten, zogen durch
die Lande und zeigten ihre Kunst für Geld und Almosen als
"Fechtbrüder" KrL 86
- etw aus dem *ff verstehen:
die Pandekten, ein wesentl. Teil des justinianischen CORPUS IURIS,
wurden unter der Signatur D für Digesten geführt, die Kürzung D war
durchstrichen und sah daher einem FF sehr ähnlich. Wer den Inhalt der
Pandekten meisterte, der verstand seine Sache also aus dem FF. ff. Sauce
oder ähnliches auf der Speisekarte bedeutet allerdings etw. Anderes,
nämlich 'sehr fein'; die Buchstabenverdoppelung steigert hier ebenso wie
ff 'fortissimo' zu f 'forte'#
- sich mit fremden *Federn
schmücken: in der Fabel des Phädrus "Die Krähe und der Pfau"
schmückt sich die Krähe mit Pfauenfedern KrL 86
- nicht viel *Federlesen(s)
machen um etw: vornehmen Herrschaften angeflogene Federn vom Gewand lesen,
um sich dadurch beliebt zu machen KrL 86 f.
- das ist ein (richtiger)
*Federfuchser: 'kleinlicher, am Buchstaben hängender mensch;
Schreiber(ling)'; -fuchser von fucken, facken 'unruhig hin und
herbewegen', hier 'ärgern, peinigen, martern, quälen'. Also 'Federquäler'.
WAHRIG 1986,460R u. 507R; KrL 87. FUCHS hieß (nach WAHRIG ebd.) auch eine "Vorrichtung zum Einspannen der
Häftlinge bei körperl. Züchtigung in der Berliner Stadtvogtei"
-> das fuchst 'ärgert' mich
- einem das *Fell über die
Ohren ziehen: nach KrL 87 vom Abdecker, nicht vom Jäger
- *Fersengeld geben 'abhauen,
weglaufen, Leine ziehen': zuerst bei BONER, edelstein (14. Jhd.) GRIMM 3(1862),1546 f.; nach KrL 88 seit
1250 in der Rechtssprache als "Bußgeld für das rechtswidrige
Verlassen der Ehefrau" u. im german. Volksrecht "Strafgeld für
Deserteure"
andere Geld-Wörter und -Redesarten finden Sie hier
- sein *Fett wegbekommen:
nach KrL 88 a.d. Schweineschlachten zurückzuführen, wo ein jeder, je nach
Mitarbeit und Bedarf, Fett erhielt.
- bei jm ins *Fettnäpfchen
treten 'jds wunden Punkt treffen': KrL 88 f.; weist darauf hin, daß in
erzgebirgischen Bauernhäusern zwischen Tür und Ofen ein F. stand, mit
dessen Inhalt die nassen Stiefel der Heimkehrenden geschmiert wurden. Wer
durch Unachtsamkeit, aus Versehen, das F. umkippte, zog sich den Unwillen
der Hausfrau zu.
- für jdn die *Hand ins Feuer
legen: bei einem mittelaterl. Gottesurteil mußte der Angeklagte eine
Zeitlang die Hand ins Feuer halten; der Grad der Verbrennung entsprach dem
Grad des Verschuldens. Wunden wurden stets sofort verbunden. Als
unschuldig habe nur der gegolten, der in kürzester Frist wiederhergestellt
war. KrL 89
- für jdn durchs *Feuer
gehen: der Gang durchs Feuer mit bloßen Füßen gehört noch heute zu den
Riten eingeborener Stümme und ist bei Fakiren das Ergebnis
äußerster meditativer Selbstversenkung ebenso wie das Liegen auf dem
Nagelbrett oder die Durchbohrung beider Wangen mit einem
Metallstab. In unserem Falle jedoch dürfte eher ein ma.liches Gottesurteil
zugrundeliegen.
- mehrere Eisen im *Feuer
haben: der Schmied, der zugleich mehrere E. im Feuer hat, spart Material,
Energie und Zeit. KrL 89
- sich etw aus den *Fingern
saugen: nach altem Aberglaube besitzen die Finger eine Mitteilungsgabe KrL
91; vielleicht ist aber auch auf den Säugling abgespielt, der einen
Finger, meist den Daumen, in den Mund nimmt und diesen instinktiv für die
Brustwarze seiner Mutter hält.
- jn um den (kleinen) *Finger
wickeln [für sich gewinnen]
- weder *Fisch noch Fleisch:
in der Reformationszeit bekannten sich die Wankelmütigen eindeutig weder
zum Katholizismus, der den Freitag zum Fischtag bestimmte, noch zum
Protestantismus, für den es kein Fleischverbot gibt KrL 91
- *Fisimatenten: Ausflüchte,
Umstände, lose Streiche, Flausen; nach WAHRIG
1986, 479M von visepatentes (16.Jhd.) aus lat. visae patentes [litterae]
'ordnungsgemäß verdientes Patent', später umgedeutet zu 'überflüssige
bürokratische Schwierigkeiten'; angebl. beeinflußt von mhd visament
'Zierrat'; eine volkstümlichere, deshalb aber nicht falschere Deutung geht
aus von einem Brauch französischer Besatzungssoldaten, die heimischen
Mädchen zum Fraternisieren zu überreden: 'Visite ma tent', 'besuch mich in
meinem Zelt'. Beide so grundsätzlich verschiedene Deutungen sind Beweis
für die Schwierigkeit, solchen Redensarten auf den einzig wahren Grund zu
kommen. Man kann sich auch nicht des Verdachtes erwehren, daß solche
Deutungsversuche nicht selten einem gerade herrschenden Zeitgeist
unterliegen. WN 11121989pm RB
- jdn aufs *Korn nehmen: von
Korn 'vorn auf dem Lauf einer Schußwaffe sitzender Teil der
Visiereinrichtung' (gestrichenes Korn nehmen = so zielen, daß Kimme und
Korn genau eine Linie bilden); also 'jdn zur Zielscheibe seines Spottes
machen'; < got kurn, germ. *kurna, idg. *grno-; verwandt mit ->
Kern, kirnen
- die Flinte ins *Korn werfen
[e.S. aufgeben]
- der ist aber eine *Flasche:
möglicherweise von ital. fiasco 'Flasche', das als dt. Fremdwort
'Mißlingen, absolutes Scheitern' bedeutet KrL 90,92
- die *Flitterwochen: angebl.
von mhd. vlittern 'kichern, flüstern, liebkosen' KrL 93
- *flöten gehen [verloren
gehen] < hebr. pelüta 'Entrinnen [des Betrügers]' wie in -> Pleite WAHRIG 1986,487L; KrL 93; KÜPPER III gibt eine 'fäkalistische'
Deutung a. nd. fleeten 'fließen, harnen'!
- das *fuchst mich: von lat.
vexare 'quülen' KrL 94; zur Deutung aus fucken s.o. -> Federfuchser
- unter der *Fuchtel stehen:
F. ist ein unscharfer Degen, dessen Hiebe bes. schmerzhaft sind KrL 95;
vgl. dazu fuchtig 'wütend' KlM, EtWb 222 f.
- alle *Fänf gerade sein
lassen KrL 95
- auf tönernen *Füßen KrL 96
- immer wieder auf die *Füße
fallen: das tut die Katze; wie auch immer man sie wirft KrL 97
- *futsch: vermutlich nur
lautmalerisch, nicht fremden Ursprungs, wie KrL 98 und KLM, EtWb ausführen
(?); vgl. auch scherzhafte Variation 'futschikato'
- *Galgenfrist: kurze
Gnadenfrist zwischen Verurteilung und Hinrichtung KrL 98, WAHRIG 1986,515R
- *Galgenhumor ->
Galgenstrick, Galgenvogel
- etw ist *gang und gäbe [ist
(hier) so üblich, Sitte]: nach ma.lichem Recht müssen Münzen von
rechtem gewicht und genge und gaebe sein, also 'unter den Leuten
umgehend' und 'annehmbar, gut' Lexer I,721 + 857
- jdm den *Garaus machen:
angebl. "nach dem Ruf, mit dem z.B. in Nürnberg und Regensburg um
1500 das Ende des Tages und die Polizeistunde verkündet wurden" WAHRIG 1986,518R
- hinter schwedische
*Gardinen kommen [hinter Gitter kommen] KrL 100
- jdm eine *Gardinenpredigt
halten: Strafpredigt der Ehefrau hinter dem Bettvorhang KrL 99; WAHRIG 1986,519L
< mlat. cortina 'Bettvorhang'
- jdn ins *Gebet nehmen: nach
KrL 101 von gebett 'Gebiß'; besser freilich ins Gebet nehmen 'durch
gemeinsames Beten ins Gewissen reden'
- jm ins *Gehege kommen [mit
jm in Konflikt geraten] KrL 102; WAHRIG
1975, 1669
- *Geldschneiderei KrL 34, RA
Seite 3; kriminelle Unsinne, im Mittelalter Münzen am Rande zu
beschneiden, um kostbares Metall zu gewinnen
- der ist jetzt *geliefert
KrL 103 f.
- in keinem guten *Geruch
stehen: von gerüft 'Ruf', RA S. 10
- darauf kannst du *Gift
nehmen KrL 106
- etw an die große *Glocke
hängen [ausposaunen] KrL 107
- darüber ist längst *Gras
gewachsen KrL 110
- komm an meine *grüne Seite
KrL 111
- der hat nichts als *Grütze
im Kopf KrL 111
- die hat aber *Haare auf den
Zähnen (eigentlich vom sog. Werwolf = Wolfsmensch) KrL 112
auch hierzu Heinz Erhardt:
Der Löwe hat 'ne Mähne,
Und weiter vorne Zähne.
Jedoch bei der Frau Sanders
Ist das vollkommen anders.
Sie hat - man sieht's beim Gähnen -
Die Mähne auf den Zähnen.
- ein rechter *Hagestolz
'Junggeselle': von ahd. hagu-stalt 'Besitzer eines kleineren Waldstücks'
KrL 114 f.
- *Hahn im Korbe sein KrL 115
- jdm den roten *Hahn auf's
Dach setzen KrL 115
- das hängt mir
(kilometerweit) zum *Halse heraus KrL 117
- unter den *Hammer kommen
(bei einer Auktion)
- da lege ich aber die *Hand
drauf / über den halte ich meine *Hand KrL 121
- für jn die *Hand ins Feuer
legen: s.o. ->Feuer
- das ist ja wirklich
*hanebüchen KrL 123: von Hain-, Hage-, Hanebuche
- jdn *hänseln eig. 'für die
Aufnahme in die Hanse reif machen' (und zwar mit drastischen Handlungen
und Zeremonien, wie bei einer sog. Äquatortaufe) KrL 124
- jm das *Handwerk legen
- jdm zeigen, was eine *Harke
ist KrL 124 (diese Erklärung ist nicht sehr schlüssig!)
- mein Name ist *Hase, ich
weiß von nichts KrL 125
- da liegt der *Hase im
Pfeffer
- unter die *Haube kommen KrL
126
- der ist einfach abge*hauen:
eig. 'hat seine Pfähle und Latten abgehauen, um seine Zelte abzubrechen'
KrL 126
- eine *Heidenangst haben:
eig. eine 'furchtbare, grausame' A. haben KrL 130
- ein blinder *Hesse: 1541
bei Sebastian FRANCK; KrL 132 f.
- das ist *hieb- und
stichfest: vermutl. von erfahrenen Degenfechtern einerseits, von
Panzerungen andererseits
- ins *Hintertreffen geraten
KrL 134
- sich in die *Höhle des
Löwen wagen KrL 135
- jdm die *Hölle heiß machen
RA 13
- da ist *Holland in Not KrL
135
- die hat ihm *Hörner
aufgesetzt KrL 136
- auf dem *Holzweg sein: auf
dem Weg, wo nur Holz abgefahren und sonst nichts Anderes, Wichtiges
transportiert wird -> KrL 136
- das ging mal wieder aus wie
das *Hornberger Schießen Krl 137 f. die Bürger von Hornberg übten so oft
Salutschüsse, daß bei der
Ankunft des Fürsten keine Munition mehr übrig war
- mit jm ein *Hühnchen zu
rupfen haben
- in *Hülle und Fülle KrL 138
- da liegt der *Hund
begraben: von mhd. hunde stf. 'Beute, Raub': da ist die Beute versteckt,
vergraben, da ist der Kern, das Wesentliche, der Grund der Sache KrL 139
- auf den *Hund kommen
- die *Hundstage (heißesten
Spätsommertage) KrL 140
- am *Hungertuche nagen KrL
142
- es ist schwer, das alles
unter einen *Hut zu bringen KrL 143
- das geht mir aber
entschieden über die *Hutschnur KrL 143 f.
- das ist nicht der wahre
*Jakob KrL 145
- o *Jemine: entstellt aus O
Jesu Domine KrL 145
- nicht ein *Jota nehme ich
zurück: das Jota ist der kleinste griech. Buchstabe KrL 146
- nur alle *Jubeljahre kommt
der uns besuchen KrL 146
- ich halte nichts von dem
preußischen *Kadavergehorsam: KrL 146
- *Kainszeichen KrL 147
- alles über einen *Kamm
scheren
- das ist ja unter aller
*Kanone KrL 148
- etw auf die hohe *Kante
legen KrL 148 f. (auf ein hohes Brett, an das man nicht so einfach
heranreichen kann)
- jn beim/am *Kanthaken
nehmen/packen KrL 149
- der ist mir ein zu
unsicherer *Kantonist KrL 149´
- etw auf seine *Kappe nehmen
'auf seinen Kopf', d.h. auf Gefahr des eigenen Lebens'; hierzu a. KrL 107,
WAHRIG 1975,2033 (RA 10)
- für jn die *Kastanien aus
dem Feuer holen KrL 150
- einen *Kater haben
(Silvester!), auch 'Katzenjammer' KrL 152
- etw ist für die *Katz
- die *Katze im Sack kaufen
- *keilen KrL 153; ->
*Keilerei
- etw auf dem *Kerbholz haben
KrL 153
- mit *Kind und Kegel KrL
154; EtWb 361r (Kegel = mittelaltrl. Ausdruck für 'uneheliche Kinder')
- die *Kirche im Dorf lassen
- arm wie eine *Kirchenmaus
KrL 184 RA 18
- in der *Klemme
stecken/sitzen
- jdn über die *Klinge
springen lassen KrL 155
- *klipp und klar KrL 155
eig. 'mit Handschlag bekräftigt'
- *klar wie Kloßbrühe KrL 155
- *Knall und Fall [ganz
plötzlich, unerwartet]: -- ist die Mauer offen 'so schnell wie auf den
Knall der Flinte der Fall des erlegten Wildes folgt' KrL 155
- etw übers *Knie brechen KrL
155
- er hat den gordischen
*Knoten gelöst KrL 156
- damit hast du feurige
*Kohlen auf mein Haupt gesammelt KrL 156 f.
- *Kohldampf; a.d.
Soldatensprache; ursprüngl. tautologisch aus rotwelsch Kohler/Koller
und Dampf jeweils in der Bed. 'Hunger'
-- schieben RA 14, KrL 143
- die beiden *Kontrahenten
konnten sich nicht einigen: Kontrahent in der heutigen Bedeutung
'Gegner' hat nichts mit lat-. contra 'gegen' zu tun, sondern war
ursprünglich ein Vertragspartner, von lat. con-trahere, con-tractus
(dt. Fw. Kontrakt) WN RB 28092k6
- einen *Korb bekommen / jdm
einen Korb geben KrL 157
-> durchfallen, unten durch
- dabei ging es um *Kopf und
Kragen KrL 157
- auch ein blindes Huhn
findet mal ein *Korn
- jdm einen Becher
*kredenzen: eig. 'den Inhalt des Bechers durch Vorkoster auf
Unschädlichkeit hin prüfen und beglaubigen' KrL 158 f.
- bei jdm in der *Kreide
stehen KrL 159
- *Krethi und Plethi
- zu *Kreuze kriechen
- die paar *Kröten machen
mich nicht arm: angeblich von Groschen/ Groten 'wenig kaufkräftige Münzen'
KrL 160; GRIMM, DWb 11(1873), 2419
ist unsicher über Herkunft
- das mußt du nicht *krumm
nehmen KrL 160 + WN 3/85, RA 16
- ob das richtig ist, das
weiß der *Kuckuck KrL 162
- den *kürzeren ziehen
- das geht auf keine *Kuhhaut
->RA 16 (eigentlich: das paßt auf kein Pergament; das P. war sehr
teuer und wurde bisweilen sogar abgeschabt zur Wiederverwendung)
- das ging *kunterbunt
durcheinander: Volksetymologie aus contra punctum i.S.v. 'vielstimmig' KrL
163
- können vor *Lachen:
"-- sagte der Gehenkte, als er pfeifen sollte" KrL 164
- da sind wir wieder mal die
*Lackierten KrL 164 RA 16
- für jdn eine *Lanze brechen
KrL 165 (aus ritterlichem Turnierspiel)
- jm durch die *Lappen gehen
KrL 165
- *Larifari KrL 165; WAHRIG 1975,2297 scherzhafte Bildung
aus den italien. solmisierenden Tonbezeichnungen la (=a), re (=d),
fa (=f)
- wie ein *Lauffeuer (=
Fackel-Stafette) verbreitete sich diese Nachricht Kr 166
- jm den *Laufpaß (ursprüngl.
beim Ausscheiden a.d. Militär gegebener Paß) geben KrL 166
- jm läuft eine *Laus über die
Leber KrL 167
- frei von der *Leber weg KrL
167
- vom *Leder ziehen KrL 169
(beim Schärfen eines Messers)
- bei*leibe (eig. bei Leibe)
nicht Kr 169
- jm auf den *Leim gehen
- eine lange *Leitung haben
- zu guter *Letzt /
zuguterletzt KrL 169
- jm die *Leviten lesen:
jetzt werden den korrupten Politikern die -- KrL 170
- jn hinters *Licht führen:
so, daß die Lichtquelle nicht das beleuchten kann, das er gern sehen
möchte
- *lichterloh brennen RA 17L
- sein *Licht unter den
Scheffel stellen: Scheffel ist ein altes Hohlmaß mit landschaftl.
verschiedener Größe (23-223 Liter); danach auch altes Flächenmaß: wie man
mit einem Scheffel voll Körner besüen kann; in --n einheimsen 'in großen
Mengen'. Stellt man sein Licht unter den --, so wird es durch den --
verdunkelt, also nicht mehr bemerkbar: man verheimlicht aus Bescheidenheit
seine wahren Fähigkeiten -> WAHRIG
1986,1112L
- jdn über den *Löffel
barbieren RA 17u.
- auf dem letzen *Loch
pfeifen
- sich nicht *lumpen lassen
KrL 177
- *Lunte riechen KrL 177
- mach keine *Mätzchen
'Ausflüchte, Kunstgriffe, um Wirkungen hervorzurufen' [Dim. vom Matthias,
Matthäus] WAHRIG 1986, 870R
- *Makulatur reden RA 18
- mit *Mann und Maus
(untergehen) vgl. GRIMM, DWb
12(1855),1817 d); es existieren keine zuverlässigen Deutungen
- den *Mantel nach dem Winde
hängen RA 18
- jetzt ist *Matthäi am
letzten KrL 183 RA 18
- *Maulaffen feil halten KrL
184
- da beißt keine *Maus den
Faden ab KrL 185
- er hat sich *mausig
gemacht: eig. 'streitlustig wie ein Falke in der Mauser' RA 18
- mach bloß keine *Menkenke
-> KrL 186
- der hat mir übel
*mitgespielt: auf das ma.liche Kampfspiel bezogen KrL 186
- wenn das so weitergeht,
werden wir noch in den *Mond gucken: nach dem sog. Volksglauben werden
Menschen, die in den Mond gucken, blöde [mhd. bloede, broede 'schwach,
gebrechlich']
- nun mal her mit dem Zaster:
*Moses und die Propheten KrL 188
- du kriegst die *Motten! KrL
189
- *Muckefuck KrL 189
- sein *Mütchen kühlen an jdm
KrL 191
- das ist doch *Mumpitz KrL
189; WAHRIG 1986,908L: im Berliner
Börsenjargon 'erschreckendes Gerede', eig. vermummte Schreckgestalt, zu
Mumme 'Maske, verkleidete Person' (vgl. Mummenschanz) + mdal. Butz(emann)
'Kobold'
- das ist nicht auf dich
ge*münzt KrL 190
- Morgenstund hat Gold im
*Mund: angeblich auf altdt. munt 'Hand' (vgl. Mändel) zurückgehend RA 19
- jdn *mundtot machen: munt
'Macht' soll unwirksam gemacht werden RA 19
- jdm *nachstellen: gemeint
ist 'Fallen stellen' KrL 192
- den *Nagel (genau) auf den
Kopf treffen KrL 192
- die *Nagelprobe machen KrL
192
- das brennt mir auf / unter
den *Nägeln -> KrL 192
- das hat er sich alles unter
den *Nagel gerissen KrL 193
- der muß an ihr einen
*Narren gefressen haben -> KrL 194
- sie hat mich andauernd nur
an der *Nase herumgeführt KrL 194
- er hat es mir unter die
*Nase gerieben RA 20
- davon habe ich die *Nase
(gestrichen) voll RA 20; Herkunft ungeklärt
- gestern haben wir uns
ordentlich die *Nase begossen RA 20
- du bist aber ziemlich
*naseweis KrL 196
- das ist ein alter *Nassauer
(der lebt aber auf naß) KrL 196
- der ist gestern fast vor
*Neid geplatzt KrL 198
- das ging mir gewaltig an
die *Nieren KrL 199
- er wurde auf Herz und
*Nieren geprüft KrL 199
- du mußtest das wohl auch
noch be*niesen KrL 199
- die *Oberhand
gewinnen/haben
- *Oberwasser haben KrL 200
- damit hat er *Öl auf die
Wogen gegossen KrL 200 RA 21
- steh nicht so da wie ein
*Ölgötze RA 21
- es faustdick hinter den
*Ohren haben: nach altem Volksglauben hat die Verschlagenheit ihren Sitz
hinter den Ohren KrL 202
- sich etw hinter die *Ohren
schreiben KrL 201 (unzureichende Erklärung!)
- jdn übers *Ohr hauen KrL
202
- halt die *Ohren steif KrL
201
- o.k. KrL 203 (jedoch
umstritten, vgl. andere Deutungsversuche, z.B. in MUTTERSPRACHE,
SPRACHDIENST usw.)
- das stammt noch aus *Olims
Zeiten RA 21
- *paff/Baff sein KrL 204
- mach doch nicht ein solches
*Palaver KrL 204
- jn auf die *Palme bringen
- unter dem *Pantoffel stehen
- das ist nicht von *Pappe
KrL 204
- das ist kein *Pappenstiel
KrL 204
- ich kenne meine
*Pappenheimer RA 121
- jdm in die *Parade fahren
KrL 205
- jdm *Paroli bieten ->
KrL 206; EtWb 533L
- in der *Patsche sitzen KrL
206
- *Pech haben KrL 207; vgl.
-> auf den Leim gehen
- *Penne 'Schule': von lat.
pennale 'Federkasten' KrL 207
- *Pennbruder: von jidd,
pennai 'schlafen' KrL 207
- ich habe noch etwas in
*petto KrL 207
- du bist eine alte *Petze
KrL 207
- ich glaube, der hat noch
was auf der *Pfanne KrL 207
- hingehen/bleiben, wo der
*Pfeffer wächst KrL 208
- aufgemacht wie ein
*Pfingstochse KrL 209 f.
- das ist ein teures
*Pflaster KrL 210
- du hast mich ange*pflaumt
KrL 210
- jdn *piesacken: v. nd.
Ossen-Pesek 'Ochsenziemer, -peitsche' (vgl. a. Pesen '[Treib-]Riemen')
-> KrL 211; WAHRIG 1986,992L gibt
hierneben als weitere Deutung < rotwelsch zu jidd. pisseach 'lahm,
krumm': 'jemanden so zurichten, daß er lahm und krumm daliegt'
- einen *Pik auf jn haben
- von der *Pike auf KrL 211
- *pingelig sein KrL 211
- *Pleitegeier: von jidd.
geier 'Geher'; pleite von hebr. peléta 'Flucht'; also ein 'auf die Flucht
Gehender' KrL 211
- *pomadig KrL 212
- *popelig sein KrL 212
- von *Pontius zu Pilatus
laufen/geschickt werden
- *Potemkinsche Dörfer KrL
213 (angeblich sollen es doch keine bloßen Fassaden gewesen sein!)
- auf dem *Präsentierteller
sitzen KrL 215
- als *Prügelknabe herhalten
KrL 215
- wie ein begossener *Pudel
dastehen
- das ist der springende
*Punkt KrL 216 (oder, wie Heinz Erhardt sagt, "das hüpfende
Komma")
- bis in die *Puppen: --
haben wir durchgefeiert (Silvester, Karneval, Party) KrL 216 RA 23
- *Quacksalber: ursprünglich
ein laut (quakend) auf Märkten Salben anpreisender Arzt KrL 217
- die *Quintessenz KrL 217
- ich fühle mich wie
ge*rädert KrL 218 RA 24
- außer *Rand und Band sein:
bezieht sich auf ein auseinanderfallendes Faß; sind Randeinfassung und
Bänder gelockert, fallen die Seitenbretter (Dauben) und Bodenteile
auseinander KrL 218
- jm den *Rang ablaufen ->
KrL 219
- die *Ratten verlassen das
sinkende Schiff KrL 219
- jdm *Rede und Antwort
stehen \ o- jdn zur *Rede stellen / KrL 220
- ein altes *Reff: eig.
Segelkürzvorrichtung; ein Schiff mit gerefften Segeln bietet einen weniger
schönen Anblick KrL 220; -> alte Fregatte; WAHRIG 1986,1048M bietet als 2. Bedeutung 'Rückentrage,
Tragegestell' < ahd. ref vermutl. zu idg. *kereib 'krümmen', verwandt
mit -> Harfe, -> Harpune, -> rümpfen und -> Korb
- nach allen *Regeln der
Kunst KrL 220
- der *Rest ist für die
Gottlosen KrL 221
- jdm den *Rest geben KrL 221
- hier/bei mir liegen Sie
*richtig KrL 172
- große *Rosinen im Kopfe
haben KrL 221
- das müssen wir im Kalender
*rot anstreichen KrL 221
- er ist wieder ans *Ruder
gekommen KrL 222
- einen *Rüffel bekommen
'Verweis, Rüge' < nd. Ruffel 'Rauhhobel' WAHRIG
1986,1083M
- in den *Sack hauen Krl 223
- sein *Schäfchen ins
trockene bringen: eig. v. Schepken 'Schiffchen'; KrL 227
- *salbadern KrL 223; nach WAHRIG 1986,1092R Herkunft ungeklärt!
- den Kopf in den *Sand
stecken KrL 224 (die Strauße tun es aber nicht!)
- mit jdm *Schabernack
spielen KrL 225
- jdn in *Schach halten KrL
226
- eine *Scharte auswetzen RA
25
- um jdn herum*scharwenzeln
KrL 228
- er kann nicht über seinen
*Schatten springen KrL 228
- *scher dich zum Teufel KrL
229
- aufpassen wie ein *Schießhund:
wie ein schießfester Polizeihund KrL 229; besser Herleitung vom
Vorstehhund des Jägers (ab 1700 ff.) bei KÜPPER
7 (1984)
- mit allen *Schikanen KrL
230
- etw im *Schilde führen KrL
230
- jdn auf den *Schild heben
KrL 230
- der Amts*schimmel KrL 231
- mit jm *Schindluder treiben
KrL 231 (vgl. hess. Schinnaas)
- jdn beim *Schlafittchen
nehmen: Schlafittich 'Rockschoß' < Schlagfittich 'Flügelschwungfedern
der Gans 'WAHRIG 1986,1121R; KrL 232
f.
- im *Schlamassel sitzen:
vermutl. von jidd./dt. schlimm + mazol 'schlimmes Glück' (in Prügung
entspr. engl. bad luck, misfortune) KrL 235
- jdm auf die *Schliche
kommen / hinter jds Schliche kommen: < mhd. slich 'leise gleitender
Gang'; Schlich nach WAHRIG
1986,1126R a. 'Schleiferschlamm, feinkörniges Erz'. Synonym sind SCHLICHE und KNIFFE
i.S.v. 'raffinierte Techniken, Methoden'
- *Schmiere stehen: v. hebr.
schemirah 'Bewachung, Beaufsichtigung' KrL 235 ; jidd. schmiro 'Bewachung,
Wüchter' zu hebr. schamar 'bewachen' WAHRIG
1986,1132M
- sich freuen wie ein
*Schneekönig: -- ist ostmd. der Zaunkönig; dessen freudiger Gesang dient
als Grundlage dieser RA; -> WAHRIG
1986,1135R
- jm ein *Schnippchen
schlagen; < frnhd. schnipp 'schnelle Bewegung einer Schere', a.
'Schnalzer mit dem Mittelfinger' (als Ausdruck gutmütig-hämischer Schadenfreude)
WAHRIG 1986,1137 MR
- einen *Schnitzer machen
'Fehler begehen'; keine Deutung bei WAHRIG
1986,1138LM; Schnitzer vermutl. für 'mit einem scharfen Gegenstand
beigebrachte Verletzung oder Zerstörung' WN 131289am DSA; KÜPPER 7(1984) deutet es als 'einen
fehlerhaften Schnitt (beim Holzschnitzen) tun und dadurch das Werk
verderben'
- Das ist mir (völlig)
*schnuppe 'gleichgültig, egal': nach WAHRIG
1986,1138R eine Berliner RA aus dem 19. Jhd. mit der Bed. 'das ist
mir so gleichgültig wie eine SCHNUPPE
'verkohltes Dochtende' < mnd. snu(p)pe zu snuppen 'schnupfen',
"weil das Säubern des Kerzendochtes dem Naseputzen ähnlich ist"
- etw geht/klappt wie am
*Schnürchen: vermutl. 'als wenn man Marionetten an den Schnüren tanzen
lüßt'; nach KÜPPER 7(1984) auch von
Richtschnur der Maurer
- jm die Schuld in die
*Schuhe schieben: Motivation dieser alliterierenden RA (3x sch-) unklar;
vermutl. als Hindernis, weil dann die Füße beengt sind und man nur noch
unbequem und unter Schmerzen laufen kann WN 131289am DSA
- jm die kalte *Schulter
zeigen: vermutl. die rechte, dem Herzen fernere und deshalb als kälter
angesehene WN 131289am DSA; lt. OED II(1933) ab 1816 (Walter SCOTT) die RA to show sb the cold
shoulder; wurde im 19. Jhd. nach KÜPPER
7(1984) ins Dt. übernommen
- mir *schwant etwas: im
Ravensberger Idiotikon von 1790 heißt es bereits 'et schwanet mi' = ich
ahne es
- *Schwein haben 'Glück
haben': nach KrL 242 vom Kartenspiel des 16. Jhds. her: Auf der höchsten
Karte, dem Schellendaus oder -as (daher 'ei der Daus'!) war ein Schwein
abgebildet; das AS hieß im dt. Kartenspiel DAUS oder SAU; nach KÜPPER, Illustriertes Lexikon der dt.
Umgangssprache 7(1984),2595 gab es früher, bei Wettspielen, Schützenfesten
u.ü. als Trostpreis für den letzten Sieger ein Schwein, daher der Name der
seit 1800 ff. belegten RA
- *Sperenzchen machen: v.
mlat. sperantia '(hinhaltende, trügerische) Hoffnung', angebl.
volksetymolog. kontaminiert (vermengt) mit 'sperren' i.S.v. 'hin-,
aufhalten'
- sich etw hinter den
*Spiegel stecken
- den *Spieß umkehren/umdrehen
KrL 245
- *Spießbürger: ursprünglich
ein mit einem Spieß bewaffneter Bürger einer mittelalterlichen Kleinstadt
KrL 245 f.
- etw *springen lassen
- jdm auf die *Sprünge helfen
KrL 246 f.
- über jdn den *Stab brechen
KrL 247
- bei der *Stange bleiben KrL
248, RA 28 o.
- jdm die *Stange halten RA
27 u.
- sich aus dem *Staub(e)
machen KrL 248 f.
- dem werde ich es noch
*stecken KrL 249
- aus dem *Stegreif KrL 249
(mhd. stegreif = Steigbügel)
- der *Stein des Anstoßes
- bei jm einen *Stein im
Brett haben
- *Stein und Bein schwören:
st. und b. sind Symbole der Festigkeit (hier: des Charakters); -> KÜPPER 7(1984)
- jn im *Stich lassen KrL
251,RA 28
- *Stichproben nehmen RA 28
u.
- einen *Stiefel vertragen
können
- jm geht etw gegen den
*Strich
- der *Sündenbock KrL 256;
nach 3. Mose 16, 21 f.: "Da sol denn Aaron seine beide hende auff
sein heubt legen / vnd bekennen auff jn alle missethat der kinder Jsrael /
vnd alle jre vbertrettung / in alle jren sunden / vnd sol sie dem Bock
auff das Heubt legen / vnd jn durch einen Man der furhanden ist / in die
wüsten lauffen lassen / das also der Bock alle jre missethat auff jm in
eine wildnis trage / vnd lasse jn in die wüste." (Luther-Bibel 1545)
- *Süßholz raspeln 'schöntun,
jdm den Hof machen'; bei Hans SACHS
(1494-1576) heißt es 'süßes Holz ins Maul nehmen' i.S. von 'süße=
wohlklingende Rede'; nach KÜPPER
8(1984),2809 ist die RA vermutl. studentischerseits im 19. Jhd. geprügt
worden; es ist jedoch nicht klar, weshalb 'süßes Holz' und 'raspeln' zur
Prügung der RA verwandt wurden und ob es sich nicht vielleicht um eine Art
der Verarbeitung von Zuckerrohr handelt. WN 131289pm DSA
- etw aufs *Tapet bringen:
Tapet = 'Bespannung von Konferenztischen' < frz. tapis [mlat. tapetum]
'Wandteppich' WAHRIG 1986,1263M
- ein *Techtelmechtel
'Liebschaft' anfangen mit jdm: < österr. dechtlmechtl 'geheimes
Einverständnis', vielleicht aus ital. teco meco 'ich mit dir, du mit mir'
= 'unter vier Augen' WAHRIG
1986,1268 LM; RA 29 o.
- das *Tischtuch zerschneiden
zwischen -- KrL 260
- *Torschlußpanik: bis ins 19.
Jhd. hinein mußten abends die Stadttore geschlossen werden; wer fremd war,
mußte bis dahin die Stadt verlassen haben und konnte in Panik geraten,
wenn er vor dem bereits verschlosssenen Tor ankam. KrL 261
- im *Tran sein KrL 262, RA
29
- ein *Treppenwitz; von frz.
esprit d'escalier; Einfall, den man erst beim Weggang (a.d. Treppe) hat;
-- der Weltgeschichte KrL 262 (nach e. Buch von W.L. Hertslet,
1839-1898)
- einen *Türken bauen 'etw.
vortäuschen' KrL 265 RA 29
- bis zum *TZ KrL 265, RA 29
- jdn *überführen RA 29
- jdn *veräppeln: v. jidd.
eppel 'nichts'
- *verballhornen KrL 268
- sich in etw. *verbeißen KrL
270
- sich *verfranzen KrL 270
- jd zu etw *verknacken
'verurteilen, einsperren' KrL 270 RA 26
- *verschütt gehen: us nd.
schütten 'einsperren' RA 29
- sich *verzetteln KrL 271
- jdn für *vogelfrei
erklüren: eine alte sog. Friedloserklärung; der Leichnam des so Geächteten
war den Vögeln zum Fraße freigegeben KrL 272
- jm auf den *Wecker fallen
'nervös machen, anhaltend belästigen': syn. -> jdm auf den Geist
(neuerdings auch: den Keks) gehen; jdm auf die Nerven fallen, auf den Nerv
gehen, jdn nerven (du nervst [mich]); Wecker als Sinnbild des Alarmrufes,
der Alarmierung hier bildlich für 'höchste Alarmbereitschaft der Nerven';
a.d.W. fallen auch i.S.v. 'beim Fallen den Alarmknopf (Wecker) betätigen';
WECKER nennt man nümlich auch eine
Alarmklingel, z.B. die Klingel des Telefons. WAHRIG
gibt keine Deutung
- der *Zankapfel KrL 283
- sich ins *Zeug legen 'ins
Geschirr legen wie ein landwirtschaftliches Zugtier' KrL 286
- eine *Zigarre bekommen/jm
eine Zigarre verpassen 'Verweis, Rüge, Anpfiff': KÜPPER 8(1984) gibt soldat. Herkunft an. Vermutl. iron. RA,
weil das Geschenk einer Zigarre z.B. an Bedienstete oder Gäste immer als
Beweis von Gastfreundschaft bzw. Huld angesehen wurde.
- auf keinen grünen *Zweig
kommen: der gr.Z. (vgl. auch den Zunamen Grünzweig) ist Sinnbild
der Fruchtbarkeit, des Gedeihens; RA existiert lt. KÜPPER 8(1984) bereits seit Ende des 15.
Jhds.(c)
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