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Ich über mich | Olympia 1972 | Essener Songtage 1968 |
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| In der "WELT" vom 10.09.06 setzt
sich Detlef Gürtler mit der Aktion
"Lebendiges Deutsch" auseinander - zunächst ein durchaus
verdienstvolles Unterfangen, denn es zeigt, dass die Aktion
wahrgenommen wird. Die Argumentation indessen lässt Objektivität vermissen. Das beginnt schon mit der Apostrophierung der Protagonisten der Sprachaktion als "ehrwürdige ätere Herren" - solche haben bekanntlich in einer globalen und ungeheuer dynamischen und wahnsinnig modernen Welt keinen Platz, und wenn sie sich einen zu erkämpfen suchen, dann werden sie mit einem milden Lächeln abgespeist. Dabei handelt es sich bei Walter Krämer immerhin um den Gründer und Vorsitzenden des am schnellsten wachsenden deutschen Vereins, des 27.000 Mitglieder starken Vereins für deutsche Sprache (VdS). Josef Kraus ist Vorsitzender des Deutschen Lehreverbandes, Wolf Schneider einer der profiliertesten deutschen Journalisten und Cornelius Sommer war u.a. deutscher Botschafter in Helsinki und erster Generalkonsul in Kaliningrad - keine Leichtgewichte also, wenn auch in der Tat zum Teil schon recht betagt. Aber die Formulierung, die Gürtler gewählt hat, ist schlicht diffamierend - sie erweckt die Vorstellungen, da sprächen Menschen, die nicht mehr in der Zeit leben, die vielleicht schon etwas senil sind, die man noch ein bisschen respektiert, aber nicht mehr ernst nimmt. Dann die Hinweise auf die skurrilen Eindeutschungsversuche, wie sie zum Beispiel auf den "redlichen Seiten" von Heinrich Poff oder Henninger zu finden sind: Diese Seiten sind reine Satire, werden von Herrn Gürtler aber offenbar für bare Münze genommen. Die Redlichen sind ein Phänomen der deutschen Netzkultur. Auf den ersten Blick handelt es sich um Personen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: den angeblichen, in der heutigen Gesellschaft bestehenden Werteverfall aufzuhalten und den Mitmenschen, insbesondere Jugendlichen, christliche und konservative Werte ins Bewusstsein zu rufen. In Wahrheit handelt es sich bei den "Redlichen" und ähnlichen Gruppierungen um einen losen Verbund von Hobbykomikern, die mitunter verblüffend gute Satiren zuwege bringen, mitunter aber auch aus reinem Mitläufertum bestehen, wobei nicht selten einer vom anderen abschreibt. Die
"Redlichen" vertreten scheinbare konservative Ideale,
wie beispielsweise die Eindeutschung sämtlicher IT-Fachbegriffe (z. B.
"Heimseite" statt "Homepage"). Die Personen, die sich damit als
"Redliche" ausgeben, beharren in der Regel darauf, authentisch zu sein.
Tatsächlich werden von vielen Internetbesuchern auch die
haarsträubendsten Darstellungen für bare Münze genommen. [...] Ein "Redlicher" wird häufig
einen Namen haben, wie man ihn im
wirklichen Leben kaum vorfindet - "Karl Bunsenbrenner", u. ä.
Beliebt
sind auch Adelstitel und akademische Grade. Darüberhinaus ist es
verpönt, jung zu sein. Jugend ist fast immer suspekt und eine Sünde an
sich. Der "Redliche" wird meistens eine Fotografie von sich ins Netz
stellen, die ein möglichst unvorteilhaftes Gesicht darstellt; insofern
sind Fotoprogramme zum Verzerren von Bildern nicht selten eine kleine
Hilfe. Bisher sind die "Redlichen" - im Laufe der Jahre in
verschiedenen Manifestationen - ausschließlich im Internet
und sporadisch im Usenet aufgetreten. (Wikipedia) Und
schließlich das immer wieder zurückgewiesene und dennoch immer wieder
auftauchende Argument, die deutsche Sprache habe sich immer schon aus
anderen Sprachen bedient: Natürlich - das hat doch kein ernsthafter
Mensch, der sich mit Sprache beschäftigt, jemals bezweifelt. Wo die
Sprache durch Entlehnungen aus anderen Sprachen reicher wird, ist gegen
diesen Vorgang nichts einzuwenden. Wo aber in idiotischer Welttümelei
längst etablierte und nach wie vor funktionale Begriffe durch englische
ersetzt werden - aus welchen blöden Motiven auch immer - ist Widerstand
angebracht. O.k.? Oder einverstanden? |
Anglizismen |